Düsseldorf (dpa) - Weltbankpräsident Robert Zoellick hat eine mangelnde Führungsrolle Deutschlands in der Euro-Krise beklagt und der Bundesregierung vorgeworfen, keine Vision für die weitere Entwicklung der Gemeinschaftswährung zu haben.

«Vieles in der Politik geschieht in der Art des Durchwurstelns, aber die Wirtschaft und die Märkte brauchen Orientierung und Klarheit», sagte Zoellick der «Wirtschaftswoche».

Beim Zusammenbruch des Ostblocks habe der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) eine Vision gehabt, wie sich die Dinge entwickeln könnten. «So etwas fehlt jetzt völlig, und je länger dies andauert, desto mehr Geld kostet es und desto weniger Handlungsoptionen wird es geben», warnte Zoellick.

Deutschland komme bei der Lösung der Krise eine Führungsrolle zu. «Die entscheidende Frage ist doch, ob die Menschen und Regierungen in Europa eine politische und finanzielle Union errichten wollen, um die Währungsunion zu ergänzen», so Zoellick weiter.