Berlin (dpa) - Der Ruf nach einer stärkeren Führungsrolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Euro-Schuldenkrise wird lauter.

Vor ihrem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Sonntag in Berlin kritisierte Weltbank-Präsident Robert Zoellick, Merkel habe bei der Euro-Rettung keine Vision. «Vieles in der Politik geschieht in der Art des Durchwurstelns, aber die Wirtschaft und die Märkte brauchen Orientierung und Klarheit», sagte Zoellick der «Wirtschaftswoche».

Bundesfinanzminster Wolfgang Schäuble (CDU) warnte derweil in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»: «Es gibt ein hohes Risiko, dass sich diese Krise weiter zuspitzt und ausbreitet.» Die Sorge wächst, dass Griechenland seine Schuldenlast dauerhaft nicht stemmen kann. «Möglicherweise sind wir im Juli von einem zu geringen Prozentsatz der Schuldenreduktion ausgegangen», meinte Schäuble.

Auch der Leiter der Delegation des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Athen, Poul Mathias Thomsen, zog ein ernüchterndes Fazit der Reformbemühungen. «Griechenland steht an der Wegscheide», sagte er der «Welt am Sonntag». Die Griechen hätten Probleme, die Vorgaben umzusetzen.

Unklar ist bislang, wer Finanzspritzen vor allem für französische Geldhäuser bezahlt, die durch Abschreibungen bei einer Griechenland-Pleite besonders betroffen wären. «Der Spiegel» berichtete vorab, beim EU-Gipfel in der übernächsten Woche solle über obligatorische Kapitalspritzen für große europäische Banken beraten werden. Im Gespräch sei unter anderem, für alle systemrelevanten Banken der Euro-Zone und Großbritanniens eine Eigenkapitalquote von beispielsweise zehn Prozent vorzuschreiben. Notfalls könnten einzelne Banken, die selbst kein Kapital mehr bekommen, gegen ihren Willen staatliche Zwangshilfen erhalten. Das hatten die USA in der Krise 2008 so gemacht.

Merkel ist grundsätzlich zu neuen Banken-Hilfen bereit, um eine Eskalation zu verhindern. Bei einer Insolvenz in Athen wird ein Domino-Effekt gefürchtet, der auch Italien oder Spanien erfassen könnte. Die Ratingagenturen sehen viele europäische Banken nicht ausreichend dafür gerüstet. Am Samstag beriet sich Sarkozy in Paris erneut mit IWF-Chefin Christine Lagarde.

Eine sofortige Nutzung des erweiterten Euro-Rettungsschirms EFSF für die Banken will Deutschland verhindern. Zuvor müssten Banken selbst um Kapitel werben oder durch nationale Rettungsschirme unterstützt werden. Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnte es in der «Bild am Sonntag» ab, dass der EFSF gefährdete Banken direkt unterstützt.