Tripolis/Kairo (dpa) - In der libyschen Stadt Sirte haben sich Anhänger des gestürzten Diktators Muammar al-Gaddafi und Truppen des Übergangsrates am Samstag erneut heftige Kämpfe geliefert. Es waren Explosionen zu hören, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira.

Über der Küstenstadt rund 410 Kilometer östlich von Tripolis stiegen schwarze Rauchwolken auf. Am Vortag waren die Milizen des libyschen Übergangsrates in das Zentrum von Sirte, dem Geburtsort Gaddafis, vorgestoßen. Die Gaddafi-loyalen Truppen, die sich dort verschanzt haben, leisten jedoch erbitterten Widerstand.

Die Kämpfe konzentrierten sich am Samstag auf das Ouagadougou-Konferenzzentrum, einer der letzten stark befestigten Stellungen der Gaddafi-Getreuen, berichtete Al-Dschasira. Das Vorankommen der Übergangsrats-Milizen wird auch dadurch erschwert, dass sich Heckenschützen der Gaddafi-Truppen in zahlreichen Hochhäusern der Stadt eingenistet haben und den Milizen beträchtliche Verluste zufügen.

Unterdessen wurde bekannt, dass Deutschland Schwerverletzte aus Libyen ausfliegen und in deutschen Krankenhäusern behandeln lassen will. Einzelheiten zu einer solchen Luftbrücke konnte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Samstag aber nicht nennen.

«Wir arbeiten gemeinsam mit unseren libyschen Partnern mit Hochdruck daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass dies sehr schnell umgesetzt wird», teilte der Sprecher mit. Zunächst hatte die «Frankfurter Rundschau» (Samstag) über die Pläne berichtet.

Nach Angaben des AA hält sich seit Dienstag ein deutsches Sanitätsteam mit Ärzten der Bundeswehr in Tunis auf. Es prüfe in Absprache mit der libyschen Seite, wie verletzten Opfern geholfen werden könne. Ziel sei es, den Verletzten «schnell und unbürokratisch» dringend benötigte Hilfe zu leisten.

Zudem seien die deutschen Botschaften in Tunis und Kairo angewiesen, Visa für Verletzte schnell auszustellen. Auch die wieder eröffnete deutsche Botschaft in Tripolis stelle in dringenden Fällen Visa aus, teilte der Sprecher mit. Visa-Anträge von Verletzten würden vorrangig behandelt.