Berlin (dpa) - Die Grünen-Chefin Claudia Roth sieht nach dem Scheitern von Rot-Grün in Berlin keinen Anlass zu einem Kursschwenk ihrer Partei in Richtung CDU.

«Jetzt in Schwarz-Grün-Fantasien zu schwelgen, wäre der falsche Weg», sagte Roth der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). Von Berlins SPD-Regierungschef Klaus Wowereit lasse sie sich die Perspektive auf einen sozial-ökologischen Politikwechsel 2013 im Bund «nicht kaputtmachen».

Die rot-grünen Koalitionsgespräche in Berlin waren am Mittwoch schon in der ersten Runde an Meinungsverschiedenheiten zum Weiterbau der Stadtautobahn A100 gescheitert.

Den Appell von SPD-Chef Sigmar Gabriel, die Grünen sollten ihre Verkehrspolitik auf Realitätstauglichkeit überprüfen, wies Roth zurück. «Die Äußerungen von Gabriel zeigen deutlich, wie dringend es starke Grüne gerade neben einer Benzin- und Beton-SPD braucht.»

Die Grünen-Chefin sieht nach eigenen Angaben in der aufstrebenden Partei der Piraten keine Gefahr, sondern willkommene Konkurrenz. Die Grünen hätten das junge Thema Internet «nicht verschlafen». Sie sollten aber die Frage der Bürgerrechte stärker in den Vordergrund rücken und sich daran erinnern, «knallgrün zu bleiben». Die Piraten hätten sicher auch ein Bedürfnis nach Neuem befriedigt mit ihrem kreativen Wahlkampf, sagte Roth.

Nach dem Erfolg bei der Berlin-Wahl kam die Piratenpartei auch beim jüngsten ARD-Deutschlandtrend bundesweit auf acht Prozent Zustimmung.