Nürnberg (dpa) - Mit Attacken auf die SPD in München und Berlin und einem Loblied auf große CSU-Erfolge hat Parteichef Horst Seehofer die Christsozialen zu Stolz, Zuversicht und Zusammenhalt aufgerufen.

«Bayern steht so gut da wie noch nie zuvor in seiner Geschichte», sagte Seehofer am Samstag bei seiner Rede auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg. Der unmittelbar vor der Wiederwahl stehende Parteichef hob seinen eigenen Beitrag hervor: «Ich kann Vollzug melden: Auch in den letzten drei Jahren unter meiner Verantwortung ist Bayern die Nummer eins in Deutschland und unter den Top Ten in Europa.» Er betonte: «Die CSU ist lebendig, sie ist voller Energie, sie ist die wahre und einzige Volkspartei in Bayern.»

Zwei Jahre vor Landtags- und Bundestagswahl attackierte Seehofer - ohne ihn ein einziges Mal namentlich zu nennen - seinen SPD-Herausforderer Christian Ude, aber auch den möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Die von Oberbürgermeister Ude regierte Landeshauptstadt München verdanke ihre gute Situation den Investitionen des Freistaats. «Mit fremdem Geld lässt sich gut stinken.»

Seehofer wies den SPD-Vorwurf zurück, die CSU habe mit der Privatisierung früherer Staatsunternehmen Milliarden verschleudert: «Mit dieser Privatisierung wurde Zukunft finanziert.» Bayern habe mit Privatisierungserlösen allein vier Milliarden Euro in Wissenschaft und Bildung investiert. «Wer hier von einer Verschleuderung von Volksvermögen spricht, verkauft die bayerische Bevölkerung für dumm.» Wer alles schlecht rede und madig mache, habe es nicht verdient, Bayern zu führen. «Bayern ist nicht stark geworden durch Wehklagen und Jammern, sondern durch aktive und mutige Arbeit.»

Steinbrück warf er vor, als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen die Verschuldung in die Höhe getrieben zu haben. «Drei Jahre Steinbrück in NRW - das waren 20 Milliarden neue Schulden», sagte er und rief unter dem Applaus der Delegierten: «Steinbrücks NRW, das ist Griechenland und nicht Bayern.» Und dieser «Schuldenkönig» wolle nun erzählen, wie man aus der europäischen Schuldenkrise herauskomme, kritisierte der CSU-Chef.

Den Grünen warf er «Unwahrhaftigkeit» vor. Es gehe nicht, dass man für den Atomausstieg demonstriere und auf der anderen Seite Investitionsvorhaben bei erneuerbaren Energien blockiere. Die bayerischen Grünen sieht Seehofer als Leidtragende der Ude-Bewerbung. «Die werden noch merken, dass sie das wahre Opfer sind einer bestimmten Kandidatur in Bayern.»

Seehofer drohte weiter mit einer Klage gegen den Länderfinanzausgleich. Zunächst sollten noch die Ministerpräsidententreffen dieses Jahres abgewartet werden, sagte er. Wenn dabei aber keine Bereitschaft für eine Reform zu erkennen sei, werde Bayern Klage beim Bundesverfassungsgericht einreichen. Bereits Anfang des Jahres hatten die Geberländer Bayern und Hessen sowie das damals schwarz-gelb regierte Baden-Württemberg mit einem Gang nach Karlsruhe gedroht. Die neue grün-rote Landesregierung in Stuttgart hatte dies zunächst zurückgestellt, strebt aber ebenfalls eine Neuregelung des Finanzausgleichs an.