Tokio (dpa) - Sie bildeten einen Freudenkreis und klatschten sich pausenlos ab: Die deutschen Turnerinnen haben bei den Weltmeisterschaften in Tokio in der Qualifikation eine starke Leistung gezeigt.

«Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als ich sah, dass bei meinem Balken-Abgang alle Mädels schon feierten. Es ist so schön, mit einem Team erfolgreich zu sein», sagte Vize-Europameisterin Elisabeth Seitz, nachdem die Riege am Samstag mit nur einem Fehler in der Teamwertung auf 221,163 Punkte gekommen war.

Danach wurde es ein langer Abend des Zitterns auf den Tribünen. Keine wollte es sich nehmen lassen, die folgenden Konkurrenten-Teams zu beobachten. Nach ihrem eigenen Durchgang, der sie zunächst auf Platz fünf brachte, bangten die deutschen Turnerinnen bis zum Schluss, ob es sogar mit der direkten Olympia-Qualifikation klappen könnte. Für diese ist Platz acht in Tokio nötig, eine WM-Platzierung, die deutsche Turnerinnen seit zehn Jahren nicht erreicht hatten.

«Egal wie es ausgeht, ich bin hochzufrieden. Das war das Optimum. Im Vorjahr waren wir auf Platz 14. Es wäre ein Quantensprung, wenn wir das schaffen», konstatierte Cheftrainerin Ulla Koch strahlend. Und sie war sogar zum Scherzen aufgelegt: «Nach London fahren wir jetzt auf jeden Fall, die Frage ist nur, ob ein- oder zweimal.» Die Teams auf den Rängen 9 bis 16 dürfen im Januar bei den vorolympischen Spielen in London ran und turnen noch einmal vier Tickets aus.

Die Glanzpunkte in einem starken Team setzte einmal mehr Seitz, die mit 56,733 Punkten sicher ins Mehrkampffinale einzog. Doch die 17-Jährige musste doppelt zittern, denn nach kleineren Fehlern am Stufenbarren (14,433) war ihr Final-Start an diesem Gerät in Gefahr. Dafür präsentierte die Mannheimerin sauber ihr selbst kreiertes Element, den Aufschwung von unteren zum oberen Holmen mit ganzer Drehung, der künftig den Namen «Seitz» tragen wird. «Ich habe erst gar nicht daran gedacht, weil ich mich auf die Übung als Ganzes konzentriert habe. Aber als mich Pia Tolle darauf hinwies, dass ich den Namen für das Element jetzt im Sack habe, war ich natürlich happy», sagte sie.

Altmeisterin Oksana Chusovitina aus Köln steuerte klar auf Kurs Richtung Sprung-Finale. Mit zwei sauber gestandenen Sprüngen kam die 36-jährige Olympia-Zweite auf einen Durchschnittswert von 14,833 Punkten. «Das war fast perfekt, aber jetzt drücke ich erstmal die Daumen für die Mannschaft», sagte Chusovitina.

Glücklich waren schließlich alle, dass gerade am «Zitterbalken» alles glattging, nachdem bei der Generalprobe in Frankreich noch sieben Absteiger gezählt wurden. «Ich kann mich nicht erinnern, dass wir mal einen Wettkampf mit Werten nur über 13 Punkten geturnt haben», sagte Koch. «Wir haben unglaublich viel am Balken trainiert. Es war eine tolle Vorbereitung, wir mussten nicht einmal schimpfen.» Nur Kim Bui ärgerte sich ein wenig über ihren Patzer am Barren, als sie sich vergriff und auf das Gerät stürzte. «Ich kann mir das nicht erklären», meinte sie.