Suzuka (SID) - Sein zweiter Formel-1-Triumph machte Sebastian Vettel erst einmal sprachlos. Als mit Platz drei beim Großen Preis von Japan in Singapur Vettels vorzeitige Titelverteidigung perfekt war, blieb der 24 Jahre alte Heppenheimer am Boxenfunk zunächst stumm. Vettel suchte nach den richtigen Worten für den nächsten Meilenstein seiner Karriere. "Ich bin ein bisschen sprachlos, es ist genauso verwirrend wie beim ersten Titel", sagte Vettel, bevor er sich bei seinem Team und seiner Familie für die Unterstützung bedankte: "Das ganze Jahr war ein Traum. Und es ist noch nicht vorbei."

Nach der Ehrenrunde, in der er von Mercedes-Pilot Michael Schumacher eskortiert wurde, klatschte im Parc ferme der zweitplatzierte Fernando Alonso mit Vettel ab. Dann kletterte der Champion auf sein Auto, riss die Arme in die Höhe und zeigte den Vettel-Finger. Wie von der Tarantel gestochen rannte er dann zu seinen Mechanikern und fiel ihnen in die Arme. Button, der seinen McLaren-Mercedes schon kurz hinter der Ziellinie abgestellt hatte, empfing den Triumphator mit einem Handschlag im Hinterzimmer vor der Siegerehrung. 

Rekordweltmeister Michael Schumacher und Nico Rosberg bescherten Mercedes auf den Plätzen sechs und zehn jeweils WM-Punkte. Adrian Sutil landete auf Rang elf, Timo Glock auf Position 20.

Für Vettel war es in einer unglaublichen Saison bereits der 14. Podiumsplatz im 15. Rennen. Nur beim Heimspiel auf dem Nürburgring hatte er als Vierter bei der Siegerehrung gefehlt. Insgesamt hat Vettel in diesem Jahr neun Siege geholt und könnte immer noch den Saisonrekord von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004 (13 Siege) einstellen. "Das ist eine ganz besondere Situation für Sebastian", sagte Schumacher über seinen Freund: "In welcher Art und Weise er diesen Titel geholt hat, das ist einfach sehr speziell." Alonso bedankte sich bei Vettel für eine WM, die "Spaß gemacht hat". Auch Button zollte ihm Tribut. "Sebastian hat toll gearbeitet. Egal, wie wir uns angestrengt haben, er war nicht zu schlagen", sagte Button

Beim Start hatte Vettel seine Pole Position gegen den besser gestarteten Button nur mit einer harten Abwehrattacke behauptet. Vettel zog frühzeitig nach rechts, Button musste vom Gas gehen und ausweichen, wodurch er seinen zweiten Platz noch an Hamilton verlor. Noch in der ersten Runde beschwerte sich Button im Boxenfunk mit seinem Team über Vettels Manöver und forderte eine Strafe, was die Rennleitung später aber nicht für nötig erhielt.

Vettel ließ sich nicht beirren und fuhr gleich in der ersten Runde 1,3 Sekunden Vorsprung auf Hamilton heraus, verlor die Führung aber nach seinem zweiten Reifenwechsel in Runde 19 an Button, der eine Runde später an der Box war und vor Vettel wieder herauskam. In Runde 24 wurde das Spitzenduo durch das Safety-Car eingebremst, das wegen Trümmerteilen auf der Strecke rausgeschickt wurde. Beim Neustart in Runde 28 behauptete Button seine Führung gegen Vettel und setzte sich sogar ein bisschen ab.

Vettel reagierte und wechselte schon in Runde 34 als Erster auf die harten Reifen, was ihn zunächst auf Rang neun zurückwarf. Button ließ zwei Runden später ebenfalls Reifen wechseln und blieb vor Vettel, der eine Runde später auch hinter Alonso zurückfiel, als der vom dritten Stopp aus der Box kam. Schumacher blieb länger auf seinem dritten Reifensatz und übernahm zwischenzeitlich die Führung im Rennen, bis er selbst erst in Runde 41 stoppte. Alonso hielt derweil den attackierenden Vettel hinter sich.