Berlin (dpa) - Bundesfamilienministerin Kristina Schröder will das geplante Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kleinkinder zu Hause betreuen und nicht in eine Kita geben, nur halb solang zahlen wie bisher geplant. Statt für 24 Monate soll es die Leistung nur für die Dauer eines Jahres geben.

Zur Begründung sagte die CDU-Politikerin der «Bild am Sonntag»: «Ich finde, wir müssen angesichts der angespannten Haushaltslage eine gewisse Bescheidenheit an den Tag legen.»

Das Betreuungsgeld ist vor allem umstritten zwischen der CSU, die es einführen will, und der FDP, die es ablehnt. Eine Sprecherin der Ministerin sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag, bei dem Vorstoß Schröders handele es sich um einen Vorschlag. Die Ministerin erwarte jetzt in der Koalition eine konstruktive Diskussion.

Schröder war Mitte September aus der Babypause zurückgekehrt und hatte angekündigt, einen Vorschlag für das ab 2013 geplante Betreuungsgeld vorzulegen. Nach ihren Vorstellungen soll es in der Zeit nach der Zahlung des Elterngeldes im zweiten Lebensjahr des Kindes monatlich überwiesen werden. Sie nehme «erst einmal nur das zweite Lebensjahr in den Blick. Wenn wir das zum Wohle der Eltern schaffen, bin ich angesichts der Finanzlage schon sehr froh», sagte die Ministerin.

Sie kündigte an, das Betreuungsgeld sowohl an Teilzeitbeschäftigte als auch an Eltern auszahlen zu wollen, die sich ausschließlich der Kindererziehung widmen. «Wir wollen Paare unterstützen, die auch nach der Elternzeit entweder ganz auf Erwerbstätigkeit verzichten oder sie stark reduzieren, um mit Teilzeit Familie und Beruf zu vereinbaren.» Schröder will «verhindern, dass wir Teilzeitbeschäftigte gegen Hausfrauen ausspielen».

Der CSU-Forderung, das Betreuungsgeld ausschließlich an Eltern auszuzahlen, die keinen Kitaplatz in Anspruch nehmen, erteilte Schröder eine Absage. Ihre Sprecherin verwies darauf, dass es der Ministerin bei ihrem Vorstoß um wirkliche Wahlfreiheit gehe. Im Koalitionsvertrag hatten Union und FDP mit Verweis auf eine Wahlfreiheit vereinbart, «ab dem Jahr 2013 ein Betreuungsgeld in Höhe von 150,- Euro, gegebenenfalls als Gutschein, für Kinder unter drei Jahren als Bundesleistung» einzuführen.

Die FDP sieht das Betreuungsgeld weiterhin grundsätzlich kritisch. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Florian Toncar sagte der «Bild»-Zeitung (Montag): «Für das Betreuungsgeld wurde im Haushalt bisher kein Geld eingeplant - und ich sehe auch nicht, wo die drei Milliarden dafür herkommen sollen.» Eine Finanzierung über neue Schulden schloss Toncar aus. Er warnte CDU und CSU davor, bei den Wählern «überzogene Erwartungen zu wecken».