Karlsruhe (dpa) - Bundespräsident Christian Wulff hat die Gewerkschaften für ihre Lohnzurückhaltung in der Krise gewürdigt. «Sie haben Maß gehalten in Zeiten, in denen andere jegliches Maß verloren haben», sagte er zum Auftakt des IG-Metall-Kongresses am Sonntagabend in Karlsruhe.

«Es ist mit das Verdienst der Gewerkschaften, dass Deutschland in dieser Krise bislang gut dasteht.» Auf dem Programm des siebentägigen Kongress, der alle vier Jahre organisiert wird, stehen Vorstandswahlen sowie Debatten über Themen wie Mindestlohn und prekäre Beschäftigung.

Die Mitbestimmung gehöre zu den großen Stärken der deutschen Wirtschaft, sagte Wulff. «Wo kooperativ miteinander umgegangen wird, wird produktiver gearbeitet. Das wichtigste Kapital steckt nicht in den Maschinen, sondern in den Köpfen der Menschen.» Deutschland habe zudem nicht den Fehler mancher seiner Nachbarländer gemacht und sich von der Industrie abgewandt, sagte er den IG-Metallern. «Sie bauen keine Luftschlösser, produzieren keine Blasen, die dann - wenn keine realen Werte dahinter stehen - zerplatzen. Sie stellen handfeste Produkte her, die weltweit gebraucht werden: Maschinen, Anlagen, Autos, Flugzeuge, Schiffe, Kraftwerke.»

Der Vizevorsitzende der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, rief Manager und Politiker auf, «sich an den Interessen und Bedürfnissen der Menschen zu orientieren». Der Spruch «Jeder ist seines Glückes Schmied» habe sich überlebt. «Junge Menschen, die keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz haben oder sich von einem unsicheren Beschäftigungsverhältnis zum nächsten hangeln, Niedriglöhne beziehen oder sich in Leiharbeit, Befristung oder Dauerpraktikum befinden, können keine Pläne schmieden.»