Suzuka (dpa) - Das Rennen hatte Jenson Button gewonnen, das Scheinwerferlicht aber gehörte allein dem Weltmeister. «Wir sollten heute über Sebastian reden. Er hat ein fantastisches Jahr hingelegt», sagte der McLaren-Pilot und lächelte artig WM-Doppel-Champion Vettel zu.

Dabei hatte der Brite mit seiner erneuten Klasse-Darbietung in Suzuka alles dafür getan, die endgültige Titel-Entscheidung noch ein wenig hinauszuzögern. Alles quetschte Button aus seinem Auto heraus, kurz hinter der Ziellinie musste er den MP4-26 sogar abstellen und auf eine Ehrenrunde verzichten.

«Ich habe noch nie auf so einer Highspeed-Strecke gewonnen. Das freut mich sehr», erklärte der 31-Jährige. Rundum glücklich sah er dabei allerdings nicht aus, zumal er sich noch ein paar übermütiger verbaler Seitenhiebe des neben ihm sitzenden Vettel erwehren musste. «Verdammte Deutsche», entfuhr es dem süßsauer lächelnden Button prompt, als Vettel auch an Michael Schumachers frühere WM-Triumphe in Suzuka erinnerte.

Dennoch hatte auch der WM-Zweite allen Grund, stolz auf sich zu sein. Im zweiten Jahr bei McLaren hat der Champion von 2009 es längst allen Zweiflern bewiesen und den als stärker eingeschätzten Teamkollegen Lewis Hamilton ziemlich entnervt. Sein Landsmann machte zuletzt fast nur noch durch Rüpeleien auf der Strecke von sich reden. Dagegen gelang Button in Japan schon sein dritter Saisonsieg, zugleich der zwölfte seiner Karriere.

Vater John posierte eingehüllt in die britische Flagge in der Boxengasse, Freundin Jessica Michibata schickte Küsschen durch die Luft. Auch wegen des Unterwäsche-Models, einer Halb-Japanerin, schmeckte Button der Sieg besonders süß. «Ich fühle mich hier wie zuhause», hatte der Routinier schon vor seinem 204. Grand Prix gesagt. «Diese Strecke ist etwas ganz Besonderes für uns alle», meinte Button nach seinem Erfolg.

Vergeben und vergessen war am Ende auch Vettels knallhartes Startmanöver. Button fühlte sich vom Red-Bull-Star abgedrängt, musste ins Gras ausweichen. «In dem Moment hatte ich das Gefühl, es war zu heftig», sagte der Mann aus dem südenglischen Frome. Via Boxenfunk hatte er sogar eine Strafe für Vettel gefordert. Doch die Renn-Kommissare entschieden sich nach dem erneuten Studium der Fernsehbilder dagegen.

Weil Button dank seiner eleganten und reifenschonenden Fahrweise letztlich trotzdem an Vettel vorbeikam, konnte er darüber hinwegsehen. Ob er trotzdem enttäuscht sei, keine Titelchance mehr zu haben. «Nein, nein. Das hatte ich schon lange abgeschrieben», versicherte Button.