Kairo (dpa) - Bei schweren, religiös motivierten Ausschreitungen sind am Sonntagabend im Zentrum von Kairo mehrere Menschen getötet worden. Nach Angaben des staatlichen ägyptischen Fernsehens waren unter ihnen auch drei Soldaten.

Augenzeugen berichteten außerdem von zahlreichen Toten und Verletzten unten den rund 2000 koptischen Christen, die während einer Demonstration vor dem Fernsehgebäude mit Bewohnern der umliegenden Wohnviertel und mit dem Militär, das den Fernsehsitz sichert, aneinandergeraten waren.

Die Kopten demonstrierten gegen muslimische Extremisten, die vor anderthalb Wochen in der südlichen Provinz Assuan eine Kirche niedergebrannt hatten. Zunächst war nicht klar, was die Unruhen am Sonntag ausgelöst hat. Die koptischen Demonstranten seien beschossen worden, als ihr Marsch den Platz vor dem Fernsehgebäude erreicht habe, berichteten Teilnehmer den Reportern der Webseite «almasryalyoum».

Zwei Panzerspähwagen der Armee seien außerdem mitten in die Menge gefahren, berichteten Augenzeugen. Dabei seien mehrere Demonstranten überrollt und getötet worden. Ein Teilnehmer zeigte den Reportern angebliche Schädelteile eines Freundes, der auf diese Weise getötet worden sein soll. Das Staatsfernsehen behauptete wiederum, die tödlichen Schüsse auf die Soldaten seien von protestierenden Kopten abgegeben worden.

In Ägypten kommt es immer wieder zu gewalttätigen Konflikten zwischen Kopten und Muslimen. Die Kopten stellen etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Sie werden bei der Erteilung von Baugenehmigungen für Kirchen diskriminiert.