Karlsruhe (dpa) - Die IG Metall will im kommenden Jahr trotz der unsicheren Wirtschaftsentwicklung deutliche Lohnsteigerungen durchsetzen. Zudem kündigte der Vorsitzende Berthold Huber weitere Aktionen zur Gleichstellung von Leiharbeitern an.

«Wir bleiben bei unserem Grundsatz: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit», sagte er am Montag beim IG-Metall-Kongress in Karlsruhe. Die nächste Tarifrunde sei im Frühjahr kommenden Jahres. «Dann werden wir auch wieder Einkommenssteigerungen im beträchtlichen Umfang haben», kündigte Huber im Deutschlandradio Kultur an.

Der schwarz-gelben Regierung warf Huber vor, den Sozialstaat auszuhöhlen. Sie trete der «Verrohung des Arbeitsmarktes» nicht entgegen, sondern fördere sie noch mit ihrer Verweigerungshaltung, kritisierte er auf dem Kongress. Mit ihrem Nein zu den Forderungen nach gleicher Bezahlung für Leiharbeiter, nach gesetzlichen Mindestlöhnen und dem Zurückdrängen des Niedriglohnsektors setze die Regierung den gesellschaftlichen Frieden aufs Spiel. «Deshalb müssen wir diese ewigen Nein-Sager stoppen.»

Für die Tarifauseinandersetzungen und den politischen Kampf sieht sich die IG Metall gut gerüstet: Erstmals seit 22 Jahren kann sie auf ein Mitgliederplus verweisen. Im September waren es 5600 mehr als im Vorjahr, insgesamt rund 2,27 Millionen. Hauptkassierer Bertin Eichler rechnet mit Rekordeinnahmen von 457 Millionen Euro. Davon fließen 15 Prozent in die Streikkasse. Wie voll die inzwischen ist, will die Gewerkschaft nicht sagen. «Wir wollen im Arbeitskampf nicht ausrechenbar sein.»

Die IG Metall tagt bis Samstag in Karlsruhe. Dabei steht auch Hubers Wiederwahl an. Für Ende der Woche wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

Die Gewerkschaften müssten auch darauf reagieren, dass immer mehr deutsche Unternehmen im Ausland produzieren. «Mehr denn je brauchen wir internationale Zusammenarbeit und Solidarität», erläutere Huber. Nach mühevollen Anfängen gebe es jetzt erste Netzwerke. «Auf europäischer Ebene entsteht ein neuer Dachverband der Industriegewerkschaften.»

In den vergangenen Jahren habe sich die IG Metall vor allem darauf konzentriert, in der Krise Arbeitsplätze zu erhalten. So sei es etwa mit Streiks beim Maschinenbauer Atlas-Terex in Delmenhorst, dem Druckmaschinenbauer König und Bauer in Frankenthal und dem Autozulieferer Harman Becker in Scheidt gelungen, Massenentlassungen abzuwenden. Dass Deutschland so gut aus der Krise gekommen sei, werde oft als «German Beschäftigungswunder» bezeichnet, sagte Huber. «Aber: Das war kein Wunder, das war vor allem Ergebnis der Arbeit der Gewerkschaften und ihrer Betriebsräte.»