Peking (dpa) - Die Krönung einer erfolgreichen Saison blieb Andrea Petkovic verwehrt, aber die Zukunft gehört der deutschen Tennis-Nummer eins.

«Wenn sie gesund bleibt und im Winter wieder hart trainiert, wird das nächste Jahr noch erfolgreicher. Davon bin ich überzeugt», sagte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner der Nachrichtenagentur dpa. Rittner ist begeistert von der Entwicklung ihrer besten Tennisspielerin, deren Traum von der Masters-Premiere erst mit der Final-Niederlage von Peking platzte. Allerdings macht sich Rittner auch große Sorgen um die Darmstädterin. «Ich kann nur hoffen, dass mit ihrem Knie alles gut geht.»

Seit dem Ritt auf der Rasierklinge bei den US Open, wo Petkovic trotz eines Meniskusrisses bis ins Viertelfinale stürmte, versucht Rittner ihre Vorzeigeathletin von einer Pause zu überzeugen. Doch getrieben von der Sehnsucht, einem nahezu perfekten Jahr mit drei Viertelfinalteilnahmen bei Grand-Slam-Turnieren noch das i-Tüpfelchen zu verpassen, setzte Petkovic im Rennen um einen Platz beim Masters in Istanbul (25. bis 30. Oktober) noch einmal alles auf eine Karte - und bezahlte in Peking fast die Quittung für ihren Ehrgeiz.

«Andrea hat ihren eigenen Kopf. Sie muss wissen, was sie tut», sagte Rittner fast schon resigniert. Als sich Petkovic im Pekinger Endspiel gegen die Polin Agnieszka Radwanska Mitte des ersten Satzes plötzlich an ihr lädiertes Knie griff, zuckte auch Rittner vor dem Fernseher zusammen. «Natürlich war das eine Schrecksekunde. Ich mache mir Sorgen um den Mensch Andrea Petkovic, aber natürlich auch um meine Nummer eins», gestand die 38-Jährige.

Kontakt zu «Petko» hatte sie seitdem noch nicht, der Vater der Hessin gab nach einer SMS seiner Tochter aber Entwarnung. Das rechte Knie, in dem sich Petkovic in der Vergangenheit bereits das Kreuzband gerissen hatte, scheint nicht schlimmer verletzt zu sein.

Dennoch sagte Petkovic ihre Teilnahme am Turnier in Linz in dieser Woche ab und begrub damit auch ihre Masters-Ambitionen. Denn nur, wenn die neue Nummer neun der Welt die Veranstaltungen in Linz und Luxemburg gewonnen hätte, wäre die Qualifikation zur inoffiziellen WM am Bosporus noch möglich gewesen. Rittner würde es nun gerne sehen, wenn Petkovic ihre Saison komplett beendet und dem Knie die nötige Ruhe gönnt. «Ich hoffe, die Ärzte sind streng mit ihr und sie nimmt den Rat dann auch an», sagte die Fed-Cup-Chefin.

Doch bei Petkovic weiß man nie. Ihren Platz als Ersatzspielerin beim Masters hat sie so gut wie sicher, ebenso das Ticket für das gut dotierte Einladungsturnier in Bali Anfang November. «Nach ein paar Tagen Pause werde ich den Frust der Niederlage hier verdaut haben und wieder nach vorne schauen», sagte die Rechtshänderin am Sonntag. Nach Saisonende klang das nicht.