Warschau (dpa) - Bei der Parlamentswahl in Polen hat die proeuropäische Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk einen klaren Sieg errungen. Nach Auszählung von 93 Prozent der Stimmen liegt Tusks liberalkonservative Partei mit 39 Prozent deutlich in Führung.

Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission kann sie von der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski nicht mehr eingeholt werden. Die PiS liegt demnach bei 30 Prozent.

Kaczynskis antideutsche Töne in den letzten Wahlkampftagen und seine Angriffe auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigten bei den Wählern offensichtlich keine Wirkung. Als kleine Sensation gilt das gute Abschneiden der Protestpartei Ruch Palikota, die mit der jüngst in Berlin erfolgreichen Piratenpartei verglichen wird. Sie schafft es mit knapp zehn Prozent der Stimmen auf Anhieb, zur drittstärksten Partei im neuen Parlament zu werden.

Hochrechnungen zufolge hat Tusk eine Mehrheit im polnischen Sejm sicher, wenn er die Koalition mit der Bauernpartei PSL fortsetzt. Die PSL kommt nach letztem Stand der Auszählung auf 8,6 Prozent der Stimmen. Das offizielle Wahlergebnis wird voraussichtlich am Dienstagabend bekanntgegeben.

Für Tusk ist es ein historischer Sieg: Als erster polnischer Regierungschef seit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 wurde der der 54-jährige damit für eine zweite Amtszeit bestätigt. Unter seiner Regierung hatte sich das deutsch-polnische Verhältnis in den vergangenen vier Jahren spürbar verbessert; seine Beziehung zu Bundeskanzlerin Angela Merkel gilt als freundschaftlich. «Die nächsten vier Jahre werden wir doppelt so viel arbeiten und doppelt so schnell handeln müssen», sagte er am Wahlabend.

Tusk hatte im Wahlkampf seine guten Kontakte zu den EU-Partnern hervorgehoben. Nur unter seiner Regierung werde es gelingen, Milliarden Euro an EU-Fördermitteln für Polen zu erkämpfen, betonte der amtierende EU-Ratspräsident immer wieder.

Die Wahl zeigte nach bisherigen Ergebnissen einmal mehr eine klare Spaltung der Wählerschaft im katholischen Polen: Die PO erhielt die meisten Stimmen in den Großstädten und in den westlichen Regionen des Landes, während die PiS im Osten und Südosten vorne lag. Sie punktete damit vor allem in den strukturschwachen Gegenden Polens, in denen der Wirtschaftsboom des Landes bisher nicht angekommen ist. Großer Verlierer der Wahl ist das Linksbündis SLD (8,2 Prozent), das viele Wähler an die neue Protestpartei Ruch Palikota verlor.