Braunschweig/Stuttgart (dpa) - Nach der Dachgesellschaft des Stuttgarter Sportwagenbauers Porsche hat jetzt auch das Landgericht Braunschweig eine neue Milliardenklage von Anlegern bestätigt.

Hintergrund ist die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen vor drei Jahren, bei der Kursturbulenzen Investoren massive Verluste eingebracht haben sollen. «Die Unterlagen haben wir bereits am 4. Oktober bekommen, inzwischen liegt neben der Zustellungsurkunde eine Eingangsbestätigung von Porsche vor», sagte eine Sprecherin der Kammer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Bei der Porsche Automobil Holding SE war nach Angaben eines Unternehmenssprechers vom Montag ein entsprechender Schriftsatz der Braunschweiger Richter eingetroffen.

Hinter der Klage steht der Rechtsanwalt und Kapitalmarktrechtler Franz Braun aus der Münchner Kanzlei CLLB. Nach seinen Angaben geht es um Ansprüche von knapp 1,1 Milliarden Euro. Der Vorwurf: Die Porsche SE und die VW AG sollen die Anleger falsch informiert und die wahre Sachlage verheimlicht haben.

«Wir gehen momentan davon aus, dass der Betrag voraussichtlich noch erweitert werden wird», sagte Braun der dpa. Die Kanzlei verhandele mit weiteren angeblich Geschädigten. Sie bündelt ihre Mandanten - es soll sich um 14 einzelne Gesellschaften handeln - in einer Art Inkassofirma mit dem Namen ARFB Anlegerschutz, die im Oktober 2010 gegründet wurde. Die höchste Einzelforderung beträgt Braun zufolge 118 Millionen Euro.

Nach Angaben eines Porsche-Sprechers hat die Porsche SE nun drei Monate Zeit, um auf die Vorwürfe zu reagieren. Das Landgericht Braunschweig konnte noch keine genaue Einschätzung dazu abgeben, wann das Verfahren beginnt. «Es gibt außerdem einen Einzelkläger, der seine Klage zunächst bei den Kollegen am Stuttgarter Landgericht eingereicht hatte.» Zuständig sei nun die Kammer in Niedersachsen. Es handele sich allerdings um ein separates Verfahren. Der Prozess könnte möglicherweise im kommenden Frühjahr beginnen. «Darüber hinaus gibt es bei uns noch keine Eingänge weiterer Klagen», erklärte das Gericht.

Auch in den USA laufen juristische Auseinandersetzungen rund um die 2008 gescheiterte Übernahme von VW durch Porsche. In Stuttgart ermittelt die Staatsanwaltschaft zudem gegen ehemalige Porsche-Manager.