Tokio (dpa) - Das wichtigste WM-Ziel ist schon geschafft, nun wollen die deutschen Turner im Medaillenkampf der Weltmeisterschaften von Tokio mitmischen.

«Die Jungs haben Spaß am Medaillensammeln. Ich gehe davon aus, dass sie das auch hier wollen», sagte Wolfgang Willam, der Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB). Aber er schränkte ein: «Dazu muss aber alles passen. Im Vorkampf haben sie schon gezeigt, dass sie im Anschlussbereich zu den Medaillen sind.»

Mit Platz vier in der Qualifikation, der die Olympia-Tickets für London sicherte, lagen Philipp Boy, Fabian Hambüchen und Co. sogar einen Platz besser als vor einem Jahr in Rotterdam. Dort war nach Rang fünf im Vorkampf Bronze wie 2007 in Stuttgart herausgesprungen. Alle sind heiß auf den Wettkampf, doch ihr Ziel verkünden die Männer öffentlich nicht. «Wir reden nicht über Medaillen. Wir wollen alle unser Zeug durchturnen, darauf kommt es an», sagte Vize-Weltmeister Philipp Boy, der am Mittwoch fünfmal an die Geräte gehen wird.

Genau wie der Lausitzer haben auch Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen fünf Einsätze in dem Wettkampf, der nach anderem Modus ausgeturnt wird. Nur noch drei Turner gehen je Team an jedes Gerät, es gibt auch keine Streichwerte mehr. «Dieser Modus sollte uns eigentlich mehr liegen», hofft der Unterhachinger Marcel Nguyen, der zwei Tage später wie Philipp Boy auch das Mehrkampffinale bestreitet.

Neben dem Top-Trio erhalten Sebastian Krimmer und Eugen Spiridonov am Pauschenpferd sowie der seit dem Vorkampf angeschlagene Thomas Taranu an den Ringen je eine Einsatzchance. Eine genaue Diagnose über Taranus Beinverletzung gibt es nicht, aber der Straubenhardter will trotz Schmerzen die Zähne zusammenbeißen und unbedingt dabei sein, wenn es um die Medaillen geht.

Klarer Favorit ist das Team von Gastgeber Japan, das den Vorkampf überraschend deutlich vor den USA und Titelverteidiger China dominiert hatte. «An Japan und China kommen wir wohl nicht ran, aber die USA sind für uns der Maßstab. Zwischen Platz drei und Platz acht liegt alles dicht beisammen», prophezeite Philipp Boy und lässt sich vom etwas schwächeren Auftritt der Chinesen im Vorkampf nicht blenden.