Berlin/Athen/Brüssel (dpa) - Europa sucht fieberhaft eine wirksame Therapie gegen die Euro-Schuldenkrise. Doch vor dem EU-Gipfel an diesem Sonntag in Brüssel streiten die Regierungen weiter, wie der Rettungsschirm EFSF am besten verstärkt werden kann.

Dass die Eurozone zunehmend an Vertrauen verliert, attestiert die US-Ratingagentur Moody's: Sie stufte Spaniens Kreditwürdigkeit herunter. Im von der Pleite bedrohten Griechenland begehrt das Volk gegen die Regierung auf: Massenstreiks legen das Land lahm.

Zum ersten Krisentreffen kommen am Freitag die 17 Finanzminister der Eurozone in Brüssel zusammen. Am Samstag werden die Finanz- und Außenminister aller 27 EU-Staaten in die Debatte eingreifen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen Staats- und Regierungschefs wollen dann am Sonntag ein Maßnahmen-Bündel verabschieden, das die Banken - notfalls mit frischem Kapital - stützt, das Griechenland rettet und das Vertrauen der Finanzmärkte wiederherstellt. «Wir sind an einem entscheidenden Moment nicht nur für den Euro, sondern auch für die Zukunft Europas», sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Mittwoch in Brüssel.

Gegen hochriskante Börsengeschäfte geht die Europäische Union nun strikt vor: Spekulationen auf Staatsanleihen werden eingeschränkt. Es geht um den Handel mit ungedeckten Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Anleihen. Von November 2012 an sind diese nur noch in Ausnahmefällen möglich, wie EU-Kommission, Europaparlament und die EU-Staaten in Brüssel vereinbarten.

Deutschland hatte bereits 2010 sogenannte ungedeckte Leerverkäufe verboten. Dabei wetten Spekulanten auf den Verfall einer Währung, Aktie oder Anleihe und verkaufen das Produkt, ohne es zu besitzen - in der Hoffnung, es später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen zu können und so Gewinne einzustreichen. Andere Länder wie Frankreich, Italien, Spanien und Belgien waren gefolgt.

Das Wetten auf eine schlechtere Bonität von Schuldnern wird jetzt EU-weit verboten, weil diese Praktiken nach gängiger Meinung den Kursverfall von Staatsanleihen künstlich beschleunigt und die Krise Griechenlands verschärft haben. Die komplizierten Produkte gelten auch als Hauptauslöser für die weltweite Finanzkrise.

Diesen Teufelskreis durchlebt derzeit auch Spanien. Die Ratingagentur Moody's stufte dessen Kreditwürdigkeit herab - wie zuvor die beiden anderen großen Agenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P). Doch Moody's ging härter vor: Spanien verlor gleich zwei Noten seiner Bonität - «Aa2» auf «A1». Auch der Ausblick sei negativ. Zugleich stufte S&P das Rating von 24 italienischen Banken herab.