Berlin/Athen/Brüssel (dpa) - Blitzbesuch in Deutschland: Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben in der Euro-Schuldenkrise den Schulterschluss gesucht.

Mit einem Telefonat und einem überraschenden Besuch in Frankfurt am Main wollte Sarkozy offensichtlich Streitigkeiten mit Merkel ausräumen. So soll der Weg für ein wirksames Maßnahmenpaket gegen die Euro-Schuldenkrise beim EU-Gipfel an diesem Sonntag in Brüssel geebnet werden.

Dass die Eurozone zunehmend an Vertrauen verliert, attestierte die US-Ratingagentur Moody's: Sie stufte Spaniens Kreditwürdigkeit herunter. Im von der Pleite bedrohten Griechenland begehrt das Volk gegen die Regierung auf: Massenstreiks legen das Land lahm, in Athen gingen Demonstranten auf die Polizei los.

Die Kanzlerin in Frankfurt bei Verabschiedung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) noch einmal den Ernst der Lage deutlich: «Scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Aber das werden wir nicht zulassen.»

Auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso warnte in Brüssel: «Wir sind an einem entscheidenden Moment nicht nur für den Euro, sondern auch für die Zukunft Europas.»

Merkel und Sarkozy sprachen am Mittwoch zunächst am Telefon. Es sei gute Übung, sich vor EU-Gipfel abzustimmen, hieß es in Berliner Regierungskreisen. Am Abend sollte es auch darum gehen, wie der Euro-Rettungsschirm EFSF verstärkt werden kann. Sarkozy hatte am Nachmittag noch seine hochschwangeren Frau Carla Bruni-Sarkozy (43) in einer Pariser Klinik besucht.

Zum ersten Krisentreffen kommen am Freitag die 17 Finanzminister der Eurozone in Brüssel zusammen. Am Samstag werden die Finanz- und Außenminister aller 27 EU-Staaten eingreifen. Die Staats- und Regierungschefs wollen dann am Sonntag tagen. Dann geht es auch um Europas Banken, die notfalls mit frischem Kapital gestützt werden müssen sowie um frische Milliarden für das von der Pleite bedrohte Griechenland. Die Eurozone will das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen.