Athen (dpa) - Der Traum von der Nationalmannschaft wurde Wirklichkeit, im Verein geht der Kampf um einen Stammplatz weiter. Ilkay Gündogan tut sich nach seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg zu Borussia Dortmund schwer.

Aus dem langen Schatten seines Vorgängers Nuri Sahin konnte er bisher nicht heraustreten. Einer seiner wenigen Lichtblicke war das Debüt in der deutschen Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien. Der nur sieben Minuten lange Einsatz im DFB-Team machte Lust auf mehr: «Davon habe ich immer geträumt. Ich bin sehr stolz und werde in der Bundesliga alles dafür tun, um wieder hierherkommen zu dürfen.»

Mit der Nominierung von Gündogan ging Bundestrainer Joachim Löw auf Nummer sicher. Nach dem Einsatz beim 3:1 gegen Belgien ist der Deutsch-Türke fußballerisch endgültig eingebürgert und darf nur noch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) spielen. Der Mittelfeldspieler hofft, zum Kader für die Fußball-EM in Polen und der Ukraine zu gehören. Allerdings ist es ihm in den vergangenen Wochen beim BVB zu selten gelungen, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Auch Jürgen Klopp sieht bei Gündogan noch reichlich Luft nach oben. «Für das, was er kann, ist er mir noch nicht dominant genug.» Zum Leidwesen des Dortmunder Fußball-Lehrers gelang es dem 20-Jährigen bisher nicht im ausreichenden Maße, das Aufbauspiel des deutschen Meisters zu beleben: «Er soll seinen Möglichkeiten entsprechend mehr Anteil am Spiel nehmen und sich zur Offensive öffnen.»

Trotz der Anpassungsprobleme zweifelt niemand in der BVB-Spitze an den Qualitäten des 4,5 Millionen Euro teuren Neuzugangs. Ähnlich wie Klopp wirbt auch Michael Zorc um Geduld: «Er bekommt bei uns alle Zeit der Welt.» Die ständigen Vergleiche von Gündogan mit Sahin, der den BVB in der vorigen Saison als Taktgeber zum Meistertitel geführt hatte und nun bei Real Madrid sein Glück versucht, bereiten auch dem BVB-Sportdirektor zunehmend Verdruss: «Diesen Fehler sollten wir nicht machen. Diese Vergleiche sind unsinnig, darauf habe ich mindestens schon 98 Mal hingewiesen.»

Groß ist die Hoffnung aller Beteiligten, dass es zumindest in einer Hinsicht Parallelen zu Sahin geben könnte. Auch der zwischenzeitlich an Feyenoord Rotterdam ausgeliehene Mittelfeldstratege hatte nach seiner Rückkehr aus den Niederlanden zum BVB im Alter von 20 Jahren zunächst einen schweren Stand - und stieg binnen Monaten zum Liebling der Fans auf.