München (dpa) - Einer der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse des Jahres beginnt an diesem Montag (24. Oktober) vor dem Landgericht München. Der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky muss sich wegen Bestechlichkeit und Untreue verantworten.

Er soll rund 40 Millionen Dollar Bestechungsgelder von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kassiert haben. Seit Januar sitzt der 53-Jährige in Untersuchungshaft. Die Justiz stellt sich auf ein Mammutverfahren mit einem Riesenandrang an Zuschauern ein.

26 Verhandlungstage sind bis Anfang 2012 zunächst geplant, mehr als 40 Zeugen werden erwartet - darunter auch Ecclestone selbst, der für den 9. und 10. November als Zeuge geladen ist. Gegen ihn wird gesondert ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gribkowsky in seiner Amtszeit als Risikovorstand bei der BayernLB die Bestechungsgelder von Ecclestone kassiert hat. Als Gegenleistung soll Gribkowsky den Verkauf der Formel-1-Anteile an den Finanzinvestor CVC im Sinne Ecclestones gesteuert haben. Die Anteile an der Formel 1 waren der BayernLB durch die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch zugefallen, dessen größter Kreditgeber sie war. Gribkowsky hatte die Aufgabe, die Formel 1-Anteile zu einem möglichst guten Preis zu verkaufen.

Durch den Deal mit Ecclestone ist der Bank laut Staatsanwaltschaft ein Schaden von knapp 66,5 Millionen Dollar entstanden. Sollte Gribkowsky in dem bevorstehenden Strafprozess verurteilt werden, hätte die BayernLB gute Chancen, ihre Schadenersatzansprüche in einem Zivilprozess durchzusetzen. Das Vermögen des Ex-Vorstandes hat sie vorsorglich bereits einfrieren lassen.

Gribkowsky war nach vielen Jahren bei der Deutschen Bank im Jahr 2003 zur BayernLB gekommen und dort bis zum Jahr 2008 im Vorstand für das Risikomanagement von Krediten zuständig.