Düsseldorf (dpa) - Der größte deutsche Energiekonzern Eon plant nach Informationen aus Konzernkreisen einen milliardenschweren Zukauf in Portugal. Eon habe fristgerecht eine erste Offerte für den Staatsanteil von gut einem Fünftel am Versorger EDP abgegeben, den Portugal verkaufen wolle.

Das berichtete das «Handelsblatt» (Mittwoch) unter Berufung auf Konzernkreise. Das deckt sich mit Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX aus Konzernkreisen. Ein Sprecher der Eon AG wollte entsprechende Berichte nicht kommentieren.

Eon erhofft sich nach den Informationen von dpa-AFX gleich mehrere Vorteile von einem Einstieg bei EDP: Die Unternehmen könnten bei den erneuerbaren Energien kooperieren und hier zu einem im weltweiten Vergleich großen Spieler aufsteigen. EDP sei zudem stark im spanischen Energiemarkt vertreten.

Außerdem reize Eon die EDP-Präsenz in Brasilien. Eon hatte das Land neben Indien und der Türkei als möglichen Zukunftsmarkt ausgemacht. «EDP ist dort aktiv und vernetzt. Das könnte Eon den Einstieg leichter machen», hieß es in den Kreisen zu Brasilien.

Eon hatte 2010 angekündigt, mittelfristig ein Viertel des Unternehmensgewinns im außereuropäischen Ausland erzielen zu wollen und damit die Abhängigkeit vom schärferen Wettbewerb in Europa zu verringern. Außerdem reagiert der Konzern mit einem drastischen Stellenabbau auf den Atomausstieg in Deutschland sowie auf sinkende Renditen im operativen Geschäft. Bis zu 11 000 der weltweit 80 000 Stellen sollen gestrichen werden. In der Konzernzentrale bleiben nur noch 400 der 850 Stellen erhalten. An den Eon-Standorten in München, Hannover und Essen bangen viele Mitarbeiter ebenfalls um ihre Jobs.

«Es wird ein Standortkonzept für Deutschland geben», sagte ein Eon-Sprecher auf dpa-Anfrage zum Standort Essen. «Darüber ist noch nicht entschieden. Deshalb gibt es auch zum Standort Essen noch keine Entscheidung.» In Essen hat die Eon-Tochter Ruhrgas ihren Sitz. Die Konzernzentrale bleibt in Düsseldorf, wie Eon am Dienstag mitteilte.

Portugal will sich dem Zeitungsbericht zufolge im Rahmen seines Sparprogramms von der Beteiligung an Energias de Portugal (EDP) trennen. Als möglicher Kaufpreis werden mit Blick auf Börsenbewertung und strategischen Aufschlag mehr als zwei Milliarden Euro vermutet.