Brüssel/Berlin (dpa) - Schicksals-Gipfel für Griechenland und den Euro: Die EU-Staats- und Regierungschefs haben einen erneuten Anlauf unternommen, die Schulden- und Bankenkrise in den Griff zu bekommen.

Zu Beginn des zweiten Spitzentreffens binnen vier Tagen suchten Diplomaten und Bankenunterhändler nach tragfähigen Kompromissen. Die Erwartungen der Finanzmärkte sowie wichtiger Partner - darunter die USA und Russland - sind gewaltig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ging bei der Ankunft in Brüssel bei davon aus, dass Fortschritte möglich seien. Allerdings dämpfte sie zu hohe Erwartungen: «Wir haben noch eine ganze Reihe von Problemen zu lösen und Verhandlungen zu führen. Also die Arbeit ist noch nicht getan.»

Am frühen Abend begann der Gipfel in der Runde aller 27 Staats- und Regierungschefs. Später wollten die 17 «Chefs» der Euroländer über Auswege aus der Schuldenkrise beraten.

Für den politisch schwer angeschlagenen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi war der neue Gipfel ein schwerer Gang. Er steht unter dem Druck der EU-Partner, endlich konkrete Pläne für Reformen und den Schuldenabbau zu präsentieren.

Der konservative Politiker hatte zuvor in hektischen Verhandlungen versucht, dem Koalitionspartner Lega Nord eine Rentenreform abzupressen. Angeblich soll Berlusconi resigniert haben: Nach unbestätigten italienischen Medienberichten will er binnen Wochen zurücktreten und den Weg für Neuwahlen 2012 freimachen.

Umstritten war bei dem Spitzentreffen vor allem das zweite Hilfspaket, das Griechenland vor dem wirtschaftlichen Untergang bewahren soll. Unmittelbar vor den EU- und Eurogruppen-Gipfel berieten Spitzenpolitiker über die Lasten der Banken und Versicherungen daran.