Brüssel/Berlin (dpa) - Die Staaten der Eurozone haben Banken und Versicherer massiv unter Druck gesetzt, auf mindestens die Hälfte ihrer Forderungen an Griechenland zu verzichten. Am Rande des EU-Gipfels in Brüssel eskalierten die Verhandlungen zwischen beiden Seiten.

Führen die Gespräche nicht zum Erfolg, gerät das gesamte Krisenmanagement in Gefahr, zumal das Regierungschaos in Italien die Finanzmärkte weiter verunsichert.

Erst vor drei Monate hatten die Europäer mit den Banken ein zweites Hilfspaket für Griechenland geschnürt. Damals willigten die privaten Gläubiger ein, auf 21 Prozent zu verzichten.

Banken und Versicherer sträuben sich laut Diplomaten gegen einen Verzicht von 50 bis 60 Prozent ihrer Forderungen an Athen. Für den Abschlag könnten sie neue Papiere mit einer Laufzeit von 30 Jahren übernehmen, berichteten Diplomaten. Die Geldhäuser kämpften um jeden Prozentpunkt, hieß es.

Von dem Forderungsverzicht hängt die Summe der staatlichen Hilfen für das zweite Griechenland-Paket ab. Die Zahlen sind dramatisch: Nach Berechnungen der internationalen Expertengruppe benötigt Athen bis 2020 rund 252 Milliarden Euro. Somit dürften die im Juli vereinbarten 109 Milliarden Euro an Hilfe nicht reichen.

Vor dem Gipfel beschwor Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Regierungserklärung die weltweite Verantwortung für die Rettung des Euro. Europa stehe in der schwierigsten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. «Scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Das darf nicht passieren», sagte Merkel im Bundestag.

Für den Gipfel erhielt die CDU-Chefin breite Rückendeckung des Parlaments. Union, FDP sowie SPD und Grüne gaben mit großer Mehrheit grünes Licht für die Verhandlungen. Die Bundeskanzlerin benötigte die Zustimmung, um in Brüssel voll verhandlungsfähig zu sein.