Brüssel/Berlin (dpa) - Europa in der Bringschuld: Die EU-Staats- und Regierungschefs unternehmen einen erneuten Anlauf, die Euro-Schulden- und Bankenkrise endlich in den Griff zu bekommen. Unter Hochdruck arbeiteten Diplomaten am Mittwoch in Brüssel an möglichen Kompromissen.

Die Erwartungen der Finanzmärkte sowie wichtiger Partner - darunter die USA und Russland - sind gewaltig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekam im Bundestag für ihre Verhandlungen starke Unterstützung über die Parteigrenzen hinweg: 503 von 596 abgegebenen Stimmen lauteten «Ja»; 89 Abgeordnete stimmten dagegen.

Merkel lobte den gemeinsamen Antrag zum Rettungsfonds von Union, FDP, SPD und Grünen: «Er sendet eine Botschaft, die weit über die finanzpolitischen Aussagen des Antrags hinausreicht.» Mit dem gemeinsamen Entschließungsantrag sollte sichergestellt sein, dass der vereinbarte Garantierahmen Deutschlands von 211 Milliarden Euro für den Rettungsfonds eingehalten wird.

Zuvor hatte Merkel bei ihrer Regierungserklärung im Bundestag den Kurs für die Brüsseler Verhandlungen abgesteckt. Sie hält es für geboten, die Schlagkraft des Euro-Rettungsfonds EFSF deutlich zu erhöhen: «Es wäre nicht vertretbar und nicht verantwortlich, das Risiko nicht einzugehen.»

Zur selben Zeit wurde in Brüssel nach Angaben aus Delegationen weiter in den zentralen Fragen gestritten: Ausbau des Euro-Rettungsfonds auf wohl mehr als eine Billion Euro und Beteiligung der Banken am nötigen Ausbau des zweiten Rettungspakets für ein wirtschaftliches Überleben Griechenlands. Die Aktien- und Devisenmärkte blieben nervös.

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi riskierte bei der Reise eine schwere Demütigung. Gedrängt von Merkel und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, endlich für mehr Wirtschaftswachstum zu sorgen, versuchte er in hektischen Verhandlungen, dem Koalitionspartner Lega Nord eine Rentenreform abzupressen. Angeblich soll Berlusconi resigniert haben: Nach unbestätigten italienischen Medienberichten will er binnen Wochen zurücktreten und den Weg für Neuwahlen 2012 freimachen.