Brüssel/Berlin (dpa) - Unmittelbar vor dem entscheidenden Gipfel gegen die Euro-Schulden- und Bankenkrise ist die Europäische Union noch immer tief zerstritten.

Vor den Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU und der Eurozone in Brüssel am Mittwoch waren Umfang und Finanzierung eines zweiten Rettungspakets für Griechenland ungeklärt. Umstritten ist nach Angaben von Diplomaten auch, wie der Euro-Rettungsfonds mit einer Schlagkraft von vermutlich mehr als einer Billion ausgestattet werden kann. Belastet werden die Verhandlungen von der Regierungskrise in Italien - dort steht Ministerpräsident Silvio Berlusconi laut Medien vor dem Rücktritt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kann mit parteiübergreifendem Rückhalt durch den Bundestag zu den Verhandlungen am späten Nachmittag nach Brüssel reisen. Die Abgeordneten wollen nach einer Regierungserklärung Merkels noch einmal grundsätzlich über den Rettungsschirm EFSF abstimmen.

Europa steht unter massivem Druck, im zweiten Anlauf binnen vier Tagen den überfälligen Befreiungsschlag hinzubekommen. Internationale Partner wie die USA und Russland sowie die Finanzmärkte wollen hierzu Ergebnisse sehen. Die Aktien- und Devisenmärkte sind nervös.

Vor dem G20-Gipfel im französischen Cannes in der kommenden Woche steht Europa in der Pflicht, die Krise endlich in den Griff zu bekommen und einen möglichen weltweiten Wirtschaftsabschwung zu verhindern. Schon am vergangenen Sonntag hatten die Staats- und Regierungschefs in Brüssel getagt, ohne am Ende greifbare Ergebnisse vorweisen zu können.

Sorgen macht den EU-Spitzen die Regierungskrise in Italien, wo Premier Silvio Berlusconi um sein politisches Überleben kämpft. Berlusconi muss dem Gipfel überzeugende Rezepte für mehr Wirtschaftswachstum präsentieren. Nach langen Krisenberatungen mit Koalitionspartner Lega Nord fand sich offensichtlich ein Ansatz für eine Rentenreform. Nach unbestätigten Berichten will Berlusconi um den Jahreswechsel herum zurücktreten. Das hätte 2012 Neuwahlen zur Folge.

Noch keine Lösung zeichnet sich für den schon seit dem Wochenende schwelende Streit zwischen der Eurogruppe den Geschäftsbanken über deren Beitrag zum Griechenlandpaket ab. Wie aus den Verhandlungen verlautete, legte die Finanzwirtschaft zwar ein neues Angebot vor. Dies sei für die Euro-Länder allerdings unzureichend.