Madrid (dpa) - Lionel Messi trifft nicht mehr. Der Weltfußballer des Jahres 2010 konnte seine Torflaute beim glanzlosen 1:0-Sieg des FC Barcelona beim Aufsteiger FC Granada nicht überwinden. Und nicht nur das: Der Argentinier zeigte eine seiner schwächsten Darbietungen der Saison.

Der Dribbelkünstler und Torschütze vom Dienst ist seit drei Spielen ohne Torerfolg und traf in der spanischen Liga in dieser Saison auswärts noch kein einziges Mal. Ein Freistoßtor von Regisseur Xavi (33. Minute) verhalf dem schwächelnden Champions-League-Sieger aber noch zu einem Sieg und für wenigstens 24 Stunden zur Übernahme der Tabellenführung in der Primera División.

Dabei war Messi am Dienstagabend beim ersten Gastspiel der Blau-Roten in Granada seit 35 Jahren besonders motiviert gewesen. Er wollte Wiedergutmachung leisten dafür, dass er am Samstag beim 0:0 gegen den FC Sevilla in der Schlussminute einen Elfmeter verschossen und den möglichen Sieg vergeben hatte. Aber Messi wirkte verkrampft, überspielt und ideenlos. Dem Argentinier erging es ähnlich wie Johan Cruyff bei Barças vorigem Auftritt in Granada vor gut 35 Jahren.

Auch der Niederländer war damals im Februar 1976 «geladen» gewesen, allerdings nicht wegen einer Torflaute, sondern wegen eines heftigen Streits mit Trainer Hennes Weisweiler. Vor dem Spiel in Granada hatte der seit langem schwelende Machtkampf zwischen dem Weltstar und dem Begründer der legendären Gladbacher «Fohlenelf» seinen Höhepunkt erreicht. Weisweiler hatte es in der Vorwoche gewagt, Cruyff «wegen Leistungsschwäche» auszuwechseln. Der Niederländer sah darin eine Majestätsbeleidigung und erklärte zum Schrecken der Barça-Fans: «Ich werde den Verein verlassen. Die Lage ist für mich unhaltbar.»

Weisweiler ließ Cruyff in Granada spielen, Barça gewann 2:0, der Niederländer blieb - wie jetzt auch Messi - ohne Torerfolg. Danach wurden den Katalanen die ungeliebten Gastspiele in der andalusischen Stadt für die nächsten 35 Jahre erspart, weil der dortige Club in der Versenkung der 2., 3. und 4. Liga verschwand.

Wer aber damals den FC Barcelona verließ, war nicht Cruyff, sondern Weisweiler. Der Niederländer brachte im Machtkampf mit dem Trainer nicht nur die Fans, sondern auch die Clubführung auf seine Seite. «Don Hennes» zog die Konsequenzen und erklärte wenig später den Rücktritt. Sein Engagement bei den Katalanen währte nicht einmal ein Jahr. Barça blieb in der Saison 1975/76 ohne Titel.