Berlin (dpa) - Zapfenstreich für viele Kasernen: Die Bundeswehr zieht in den nächsten Jahren aus insgesamt 31 Standorten komplett ab. Zudem werden in 90 Städten und Gemeinden die Stützpunkte radikal verkleinert. Die Länder reagierten überwiegend mit Verständnis.

Aus den betroffenen Kommunen, die den Verlust von Wirtschaftskraft in Millionenhöhe befürchten, kam teils heftige Kritik und die Forderung nach einem Ausgleich. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Schließungen jedoch als «unvermeidlich». Derzeit gibt es bundesweit noch 400 Standorte.

Das neue Konzept, an dem de Maizière seit Monaten unter strengster Geheimhaltung gearbeitet hatte, wurde vom Bundeskabinett bereits gebilligt. Am härtesten trifft die Reform Bayern, Schleswig-Holstein und das Saarland. Geschlossen werden auch Traditions-Kasernen wie die Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen (Baden-Württemberg), die den Namen des hingerichteten Widerstands-Kämpfers trägt. Ostdeutschland kommt verhältnismäßig glimpflich davon.

De Maizière äußerte Verständnis für die Sorgen von Gemeinden, die die Bundeswehr verlieren. Die Reform sei «schmerzhaft». «Dennoch ist der Schritt unvermeidlich. Die Bundeswehr ist nicht um der Standorte willen da, sondern dafür, ihren Auftrag gut und sparsam zu erfüllen.» Weitere 33 Standorte werden auf weniger als 15 Beschäftigte reduziert. Der Minister sprach selbst davon, dass dies praktisch «einer Schließung gleichkommt».

Mit fast 20 000 von bisher 50 700 Dienstposten verliert Bayern die meisten Soldaten. Im Saarland fällt fast jeder zweite Bundeswehrjob weg. In Schleswig-Holstein werden acht Standorte ganz geschlossen - so viel wie in keinem anderen Land. Umgesetzt werden soll das Konzept bis 2017. De Maizière versprach ein «Reform-Begleitprogramm» für Soldaten und zivile Mitarbeiter. Auf die Frage, ob es noch größere Änderungen geben könnte, antwortete er: «Der Sack ist zu.»

Mehrere Länder sowie der Bundeswehrverband forderten Finanzhilfen für die betroffenen Regionen. Die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen sprach von einem «schweren Schlag». Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) erklärte: «Der Verlust von sechs Standorten und die Reduzierungen an weiteren Orten schmerzen sehr.» Zugleich sagte Beck: «Mit den Grundstrukturen der Entscheidungen bin ich durchaus einverstanden.»

Noch in dieser Woche wollen die Ministerpräsidenten ein gemeinsames Papier mit ihren Vorstellungen erarbeiten. Beck verlangte, der Bund müsse Ländern und Kommunen auch bei der Nutzung von Brachflächen entgegenkommen. Er forderte allein für Rheinland- Pfalz einen Ausgleich vom Bund in dreistelliger Millionenhöhe.