Berlin (dpa) - Radikale Schrumpfkur für die Bundeswehr: Mehr als 120 der bundesweit 400 Standorte werden geschlossen oder drastisch verkleinert.

Das am Mittwoch vom Kabinett gebilligte Konzept von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) trifft Bayern, Schleswig-Holstein und das Saarland am härtesten. Bayern verliert mit fast 20 000 von bisher 50 700 Dienstposten die meisten Soldaten. Im Saarland fällt sogar fast jeder zweite Bundeswehrjob weg. In Schleswig-Holstein werden acht Standorte ganz geschlossen - so viel wie in keinem anderen Land. Ostdeutschland ist dagegen verhältnismäßig wenig von der Umstrukturierung betroffen.

Bis 2017 will de Maizières das Konzept weitgehend umsetzen. Proteste aus den Ländern gab es kaum. Ministerpräsidenten und Bundeswehrverband forderten aber finanzielle Hilfe für die betroffenen Regionen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sprach von einem dreistelligen Millionenbetrag.

31 Standorte werden komplett geschlossen, davon sechs große mit mehr als 1000 Dienstposten. 90 werden drastisch verkleinert, das heißt um 50 Prozent oder mehr als 500 Dienstposten. 33 davon schrumpfen so stark, dass sie künftig mit weniger als 15 Soldaten oder Zivilisten ausgestattet sind und gar nicht mehr als Standorte geführt werden.

Der Minister betonte, dass die Truppe trotzdem in der Fläche präsent bleibe. Allerdings müsse sie so stationiert werden, dass sie ihren Auftrag «auch unter den Bedingungen eines zu konsolidierenden Bundeshaushaltes und mit geringeren Umfangzahlen» erfüllen könne.

Zu den spektakulärsten Schließungen zählt der als «Wiege der Luftwaffe» geltende Fliegerhorst im bayerischen Fürstenfeldbruck mit rund 1240 Dienstposten. Das Flottenkommando aus dem schleswig- holsteinischen Glücksburg mit 920 Soldaten und Zivilbeschäftigten wird nach Rostock verlagert. Die beiden größten Standorte, die ganz gestrichen werden, sind der bayerische Fliegerhorst Penzing mit 2350 Beschäftigten und das baden-württembergische Sigmaringen mit 1860 Posten, wo bislang der Stab der 10. Panzerdivision beheimatet ist.

In sechs Bundesländern werden keine Standorte geschlossen. Neben den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen handelt es sich um das Saarland, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Allerdings sind alle Bundesländer über eine Verkleinerung der Standorte von Kürzungen betroffen. Das Saarland verliert sogar fast die Hälfte seiner Dienstposten und damit prozentual sogar noch mehr als Schleswig- Holstein.