Athen (dpa) - Schicksalsentscheidung in Griechenland: Unter massivem Druck der internationalen Geldgeber ringt Athen um einen Ausweg aus der schweren Regierungskrise. Ministerpräsident Giorgos Papandreou droht bei einer Vertrauensabstimmung im Parlament der Sturz.

Auch ein Rücktritt bei einem Sieg gilt als möglich - Papandreou könnte dann die Verhandlungen für eine Übergangsregierung führen. Für den späten Freitagabend wird eine Rede Papandreous vor dem Parlament erwartet.

Bereits seit 1800 Ortszeit (1700 MEZ) läuft die Parlamentsdebatte über die Vertrauensfrage. Mehr als 40 Abgeordnete von Papandreous sozialistischer PASOK-Partei meldeten sich bis 2130 MEZ zu Wort. Grundtenor ihrer Beiträge: Unterstützung für Papandreou - aber nur, wenn er die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vorantreibt, also eine breite Basis organisiert. Vor dem Parlament demonstrierten zeitweise mehrere tausend Anhänger der kommunistischen Partei und anderer linker Gruppierungen.

Die Abstimmung über die Vertrauensfrage soll gegen Mitternacht Ortszeit (23.00 MEZ) beginnen. Papandreous sozialistische Partei PASOK verfügt nur über eine dünne Mehrheit von zwei Abgeordneten im 300-köpfigen Parlament. Es könnte einige Abweichler geben. Mit Spannung wird auch die Rede Papandreous am Abend erwartet: Er soll als letzter Redner vor dem Votum sprechen.

Die Zeit für das hoch verschuldete Griechenland wird knapp: Athen hat nur noch bis Mitte Dezember Geld, um die Löhne der Staatsbediensteten zu bezahlen. Die internationalen Geldgeber wollen die sechste Hilfszahlung in Höhe von acht Milliarden Euro erst freigeben, wenn Griechenland zu seinen Spar-Verpflichtungen steht.

In Athen gilt am Abend folgendes Szenario als möglich: Papandreou gewinnt die Vertrauensabstimmung - tritt aber dennoch zurück. Das Kalkül: Er könnte dann als amtierender Regierungschef und von seiner Fraktion gestärkter Parteichef die Verhandlungen über eine Übergangsregierung führen. Sein Gesicht hätte er damit gewahrt.

Die von Papandreou gebildete Übergangsregierung könnte dann sein Finanzminister Evangelos Venizelos für sechs Monate führen. An dieser Übergangsregierung sollten auch Experten und wenn möglich auch die konservative Oppositionspartei Nea Dimokratia teilnehmen.