Athen (dpa) - Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat vor dem Parlament einen Neuanfang des hoch verschuldeten Landes gefordert und die Beschlüsse des EU-Krisengipfels als «letzte Chance» bezeichnet.

Diese sollte sich Griechenland nicht verbauen, sagte Papandreou in einer engagierten Rede am Freitagabend vor der mit Spannung erwarteten Vertrauensabstimmung. Zugleich verteidigte er seine Politik der vergangenen Jahre und kritisierte die konservative Oppositionspartei Nea Dimokratia.

Papandreou kündigte an, er werde am Samstag den Staatspräsidenten besuchen und ihn informieren, dass er bereit sei, mit den anderen Parteichefs Gespräche über die Bildung einer breiten Regierung aufzunehmen. Er fügte hinzu: «Und dann wollen wir sehen, wer diese Regierung führen wird.»

Papandreou betonte, jetzt sei die Zeit, einen Neuanfang zu machen. «Und wenn ich dazu beitragen kann, dann tue ich es.» Er sei nicht beruflich in der Politik und er wolle helfen. Auch morgen müsse das Land weiter regiert werden: «Deswegen brauche ich Ihre Stimme» wandte er sich an die Parlamentarier.

Das Land erlebe «historische Momente», in denen die Opposition teilnahmslos sei, kritisiere und blockiere. «Wir tragen das Kreuz des Leidens, obwohl wir nicht für die Probleme verantwortlich sind», sagte der Ministerpräsident weiter. Zum Wunsch der Opposition nach schnellen Neuwahlen sagte er, diese würden einer Katastrophe gleichkommen. Die Zeit dränge, weil Griechenland dringend die vereinbarten finanziellen Hilfen bekommen müsse.

Griechenland brauche jetzt einen breiten politischen Konsens. Dies sei die einzige Chance, um die nächste Milliarden-Hilfstranche der internationalen Geldgeber zu erreichen, sagte Papandreou. Die Regierung brauche das Vertrauen der Bevölkerung, es sei nun Stabilität in Griechenland notwendig. Ohne die acht Milliarden starke nächste Hilfstranche der internationalen Geldgeber drohe dem Land im Dezember die Pleite. Man wolle den Verpflichtungen nachkommen, um die Hilfszahlungen zu bekommen.

Die Opposition fordert dagegen den sofortigen Rücktritt Papandreous und die Bildung eine Expertenregierung, die das Land nur für wenige Wochen führen soll, um das neue Hilfsprogramm für Griechenland unter Dach und Fach bringen. Danach sollen vorgezogene Wahlen folgen.