Berlin (dpa) - Hartes Ringen um einen Tarifvertrag: Kurz vor dem ab Montag geplanten Ärztestreik an Deutschlands Universitätskliniken haben die Mediziner und die Länder einen letzten Einigungsversuch unternommen.

Die Verhandlungsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) nahmen am Freitag in Berlin die abgebrochenen Verhandlungen wieder auf und vertagten sich nach fünf Stunden auf Samstag. «Entweder es gibt eine Einigung oder am Montag wird gestreikt», sagte MB-Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag vor den Gesprächen der Nachrichtenagentur dpa.

Kurzfristig anberaumte Sondierungen am Mittag hätten deutlich gemacht, dass es sinnvoll sei, sich noch einmal zusammenzusetzen, sagte Hammerschlag. «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst.»

Ohne Kompromiss sollen die Ausstände nicht wie in der Vergangenheit punktuell oder phasenweise stattfinden. «In den 23 Universitätskliniken beginnt der Streik flächendeckend gleichzeitig als Vollstreik», sagte MB-Chef Rudolf Henke. Patienten würden - außer bei Notfällen - in anderen Kliniken etwa in kommunaler oder kirchlicher Hand versorgt. Für Notfälle habe man durch entsprechende Vereinbarungen vorgesorgt.

Lediglich in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen und Rheinland-Pfalz werde nicht gestreikt, weil diese Länder entweder nicht in der Tarifgemeinschaft seien, es dort keine Unikliniken gebe oder für die Kliniken andere Tarifbedingungen gelten, erklärte der Marburger Bund.

Als Bedingung für eine kurzfristige Wiederaufnahme von Verhandlungen hatte Henke genannt, dass die TdL ihr «Tarifdiktat» zurücknehme und ein Angebot vorlege, dem zugestimmt werden könne.

Die Ärztegewerkschaft fordert tarifliche Verbesserungen für die 20 000 Ärzte an Unikliniken im Gesamtvolumen von 6,3 Prozent. Die TdL möchte laut Henke bislang einen Abschluss nach dem Vorbild der Tarifeinigung für die Angestellten der Länder vom März, die weit unter den Ärzteforderungen lag.