Die neuen Anti-Krisen-Maßnahmen will Berlusconi erneut mit einem Vertrauensvotum durchboxen. Damit würden alle Reformmaßnahmen in 10 bis 15 Tagen durch den Senat in Rom gebracht, soll Berlusconi in Cannes erklärt haben.

Zum parlamentarischen Showdown könnte es für Berlusconi allerdings bereits am nächsten Dienstag in der Abgeordnetenkammer kommen, wenn der «Cavaliere» den zweiten Versuch macht, den Rechenschaftsbericht 2010 absegnen zu lassen - bei einem ersten Votum kassierte er dabei eine herbe Niederlage, so dass der Ruf nach Rücktritt lauter wurde.

Berlusconi hat bereits mehr als 50 mal im Parlament mit dem Vertrauensvotum seine Gesetze beschleunigt durchgesetzt. Zuletzt warb er Mitte Oktober - nach der Schlappe beim Rechenschaftsbericht - für die Regierung um das Vertrauen der Abgeordneten. Er erreichte bei dem Votum mit 316 gegen 301 Stimmen die absolute Mehrheit ganz knapp.

Teile der Opposition wie etwa die Zentrumspartei UDC treten für eine Übergangsregierung auf breiterer Basis zur Bewältigung der Schulden- und Wachstumskrise in Italien ein. Wenn die Regierung falle, dann könne es nur Neuwahlen geben, stellt sich Berlusconis Juniorpartner Lega Nord strikt dagegen. Napolitano hatte die Lage im Parlament im Gespräch mit allen Seiten sondiert und dringt auf ein rasches Einvernehmen. Vorerst bleiben damit drei Möglichkeiten, wie es in Italien weitergehen könnte: Neuwahlen, eine Übergangsregierung - oder Berlusconi bleibt schwer angeschlagen im Regierungspalast Chigi.