München (dpa) - Es weht ein frischer Wind im deutschen Eishockey. Für viele gilt der neue Bundestrainer Jakob Kölliker nur als Übergangslösung, doch dafür schlägt der 58 Jahre alte Schweizer vor seinem Debüt erstaunlich forsche Töne an.

Die Zeit des Understatements unter seinen Vorgängern Hans Zach und Uwe Krupp scheint vorerst vorbei. «Wir wollen siegen, das ist immer das Ziel», sagte Kölliker der Nachrichtenagentur dpa vor seiner Premiere beim Deutschland Cup in München.

Kein pures Verwalten des Status Quo, so wie es von Zach und Krupp stets vorgegeben wurde - Kölliker will mehr und geht seine neue Aufgabe erstaunlich offensiv an. «Unser erstes Ziel ist die Olympia-Qualifikation. Wir wollen uns also unter den Top Acht der Weltrangliste festsetzen. Dort sind wir derzeit, das wollen wir verteidigen und uns weiterentwickeln», sagte der 58-Jährige.

Köllikers Vorgänger hatten stets vor großen Turnieren vor dem internationalen Absturz und der drohenden Zweitklassigkeit gewarnt. Und sonnten sich dann im Erfolg, wenn die selbst ausgegebenen bescheidenen Ziele übertroffen wurden. So wie zuletzt etwa mit dem Gewinn des Deutschland Cups 2009 und 2010 oder der nur haarscharf verpassten ersten WM-Medaille seit 1953 bei der Heim-Weltmeisterschaft 2010 jeweils unter Krupp. Dass sich Kölliker mit seinen Aussagen selbst unter Druck setzt, ist dem früheren Abwehrspieler egal. «Druck hat man im Profisport immer. Damit muss man zurecht kommen.»

Kölliker hat viel vor, vorerst aber nur einen Jahresvertrag beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB). Viele sehen im Berner daher nur eine Übergangslösung. Nach der Saison - so das Kalkül - könnte der eigentliche Wunschkandidat und frühere Schweizer Nationalcoach Ralph Krueger frei von seinen Verpflichtungen beim NHL-Club Edmonton Oilers sein. Kruegers ehemaliger Assistent bei der Schweizer «Nati» Kölliker begegnet diesen Spekulationen entsprechend seines Naturells - ganz gelassen. «Ich weiß nur, dass ich die Position einnehme und mich darauf freue. Ich mache alles Menschenmögliche, um dieser Position gerecht zu werden und das deutsche Eishockey zu fördern», versprach Kölliker. «Das Ziel ist schon eine längerfristige Zusammenarbeit.»

Kölliker will seinen eigenen Weg gehen beim DEB. Vor der 22. Auflage des Deutschland Cups mit Spielen gegen die Slowakei, die USA und sein Heimatland überraschte der Schweizer mit der Ankündigung, bis zur WM im Mai auf einen festen Kapitän verzichten zu wollen. Stattdessen soll es ein «Kapitänsteam aus sieben bis acht erfahrenen Spielern» geben. Daraus soll es von Turnier zu Turnier und Testspiel zu Testspiel immer einen neuen Kapitän geben. Michael Wolf (Iserlohn) muss sein Amt verteidigen. «Diejenigen, die bislang Führungsspieler waren, werden auch in Zukunft sicher wieder diese Rolle einnehmen», erläuterte Kölliker, der «zuerst Gespräche führen» wolle.

Die sollen auch im Fall Florian Busch wieder folgen. Im Sommer hatte Kölliker vergeblich versucht, den aus dem Nationalteam zurückgetretenen Stürmer der Eisbären Berlin zum Comeback zu überreden. «Er will im Moment nichts wissen vom Nationalteam. Aber wir bleiben da am Ball. Vielleicht muss man da einfach Geduld haben. Ich hoffe immer noch, dass er sich irgendwann besinnt und wir ihn zurückgewinnen», sagte Kölliker.