Rom/Athen/Berlin (dpa) - Auch nach dem Rückzug von Premierminister Silvio Berlusconi bleibt Italien ein Spielball der Finanzmärkte. Die Zinsen für Staatsanleihen stiegen auf deutlich mehr als sieben Prozent - ein Niveau, bei dem Griechenland, Portugal und Irland Milliarden-Hilfen brauchten.

Die Botschaft kam im Parlament in Rom an: Ein Gesetz, das für Reformen und Wachstum sorgen soll, soll schon bis Montag und damit schneller als geplant beschlossen sein. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet von den Politikern in Rom, dass die geplanten Sparmaßnahmen glaubwürdig umgesetzt werden und die Konjunktur angekurbelt wird.

Merkel sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Italien muss seine Sparanstrengungen verstärken - und das weiß auch die italienische Regierung. Kein Staat kann zurzeit von sich behaupten, er sei am Ende des Reformweges, wir alle werden immer wieder über Anpassungen nachdenke müssen.»

Diese Arbeit müssen in Rom nun allerdings andere als Berlusconi übernehmen. Der 75-jährige will sich von der großen Polit-Bühne verabschieden. «Da keine anderen Mehrheiten (im Parlament) möglich sind, sehe ich nur Neuwahlen Anfang Februar, bei denen ich nicht mehr kandidieren werde», zitierte die Turiner Tageszeitung «La Stampa» den Regierungschefs.

Auf echte Fortschritte warten auch Geldgeber und Finanzmärkte. Die Rücktrittspläne sorgten für keinerlei Entspannung. Der Euro fiel am Mittwoch zeitweise unter die Marke von 1,36 US-Dollar. Die europäischen Aktienmärkte starteten zwar mit Gewinnen, sackten dann aber kräftig ins Minus. Zeitweise lag der deutsche Leitindex Dax 3,1 Prozent unter dem Vortagsstand.

Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen, wird für Rom gefährlich teuer. Die Zinsen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stiegen erstmals seit Euro-Einführung über sieben Prozent - in der Spitze bis auf 7,45 Prozent. Bei dieser Marke hatten Griechenland, Irland und Portugal das Handtuch geworfen: EU und IWF mussten mit Milliarden-Hilfen einspringen. Ein Automatismus leitet sich daraus allerdings für Italien nicht ab.

Italien ist - gemessen an der Wirtschaftsleistung - nach Griechenland das Mitglied mit der höchsten Staatsverschuldung. Inzwischen überwachen die Europäische Union und der IWF die Sanierung des Landes.