Brügge (dpa) - Christoph Daum kehrt auf die Fußball-Bühne zurück. Der 58-Jährige, der im August eine überstandene Hautkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht hatte, ist neuer Trainer des 13-maligen belgischen Meisters FC Brügge.

177 Tage nach dem Ende seiner Sieglos-Kurzmission bei Eintracht Frankfurt wurde er als neuer Coach des Europa-League-Teilnehmers vorgestellt. Daum, der bereits am Mittwoch das Team trainierte, erhält einen Vertrag bis Juni 2013 - mit einer Option für ein weiteres Jahr.

«Den FC Brügge kenne ich als einen Topclub in Belgien und Europa», sagte der nicht immer unumstrittene Coach. Er sei kein Mann der großen und leeren Versprechungen, meinte er. «Ich versuche immer mehr zu bringen, als ich versprochen habe.» Der Verein habe eine junge Mannschaft mit viel Potenzial. Derzeit rangiert der FC Brügge an vierter Stelle der Jupiler League.

Er fühle sich körperlich und geistig wieder fit, sagte Daum mit Bezug auf seine Erkrankung im Sommer: «Ich bin dreimal operiert worden. Mein Zustand ist wieder in Ordnung.» Seinen Ruf als Motivator wollte Daum nicht überbewerten: «Motivation ist nur 10 Prozent dessen, was ich als Trainer mache. Die 90 Prozent harte Arbeit sind gleichermaßen wichtig.»

Der ehemalige Bundesliga-Coach, der vor elf Jahren mit einem Kokainskandal für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist Nachfolger des entlassenen Adrie Koster. Daum soll den Traditionsclub wieder in die Siegspur führen - seit sechs Spielen wartet Brügge wettbewerbsübergreifend auf einen «Dreier».

Dennoch darf sich der international erfahrene Deutsche auf der Bank von Brügge auch auf die Rückkehr aufs europäische Parkett freuen. In der Europa League führt der zehnmalige Landes-Pokalsieger die Gruppe H an.

Was auf den belgischen Verein aber auch zukommt, machte ein Vereinssprecher indirekt deutlich. «Es könnte sich lohnen zu kommen, wir erwarten mehr Besucher als sonst», meinte er mit Blick auf die Pressekonferenz. Denn Daum zieht die Kameras magisch an. Auch bei seinem Abschied am 16. Mai bei der Frankfurter Eintracht, deren Abstieg der medienbewusste Trainer nicht verhindern konnte, genoss er seinen Auftritt im Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Vor seiner gescheiterten Rettungsmission beim Hessen-Club hatte Daum allerdings auch einige Erfolge eingeheimst. Der Durchbruch als Trainer gelang ihm mit Gewinn der deutschen Meisterschaft und des Supercups mit dem VfB Stuttgart 1992. In der Türkei holte Daum mit Fenerbahce und Besiktas Istanbul den Meistertitel, ebenso in Österreich mit Austria Wien. Als manch einer Daum sogar schon auf dem Posten des Bundestrainers wähnte, stürzte der redselige und gern wortgewaltige Coach 2000 über den Kokainskandal. Zuletzt galt Daum dann als Kandidat für das Amt des österreichischen Nationaltrainers.

Nun wurde es aber Brügge. Schon bei seinem Ende in Frankfurt hatte Daum Anfragen aus Belgien eingeräumt. Nach Informationen der Zeitung «Het Laatste Nieuws» soll Daum bei dem belgischen Verein den ehemaligen Nationaltorwart Michel Preud'Homme ausgestochen haben. Für den Trainer des saudi-arabischen Clubs Al Shabab hätte Brügge eine Ablöse bezahlen müssen, schrieb die belgische Zeitung.

Mitteilung FC Brügge