Frankfurt/Main (dpa) - Die DFB-Turbulenzen lassen Ligapräsident Reinhard Rauball um die Integrität des deutschen Fußballs fürchten, doch die Verbandsspitze zweifelt nicht an ihrem Krisenmanagement.

In der Causa Manfred Amerell will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag über das weitere Vorgehen beraten, nachdem zuletzt die Kritik am Führungsstil von DFB-Chef Theo Zwanziger heftiger geworden war.

«Die Gesamtsituation, und ich rede jetzt bewusst von mir, hat natürlich ein ungutes Gefühl hervorgerufen», sagte Rauball in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung». «Das oberste Gut des Fußballs ist die Integrität des Wettbewerbes. Alles, was diese Integrität infrage stellt - und öffentlich wird da gerade sehr viel infrage gestellt - schadet dem Fußball», betonte er.

Vor allem der Wirbel um Schiedsrichter bereiten dem Präsidenten des deutschen Fußball-Meisters Borussia Dortmund große Sorgen. «Die Steuer-Ermittlungssache bewegt sich nun schon in einem beachtlichen Bereich», sagte Rauball und sprach von einer «problematischen Lage». Mit Argusaugen beobachtet man bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), wie der DFB nach der Sex-Affäre um Amerell und dessen ehemaligen Schützling Michael Kempter nun über die Ermittlungen gegen 70 Schiedsrichter wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung erneut in die Bredouille geraten ist.

Im Dauerstreit zwischen dem DFB und seinem früheren Schiedsrichter-Sprecher Amerell war das Mediationsverfahren von beiden Seiten schon für beendet erklärt worden, ehe Amerell überraschend den Berliner Rechtsanwalt Michael Plassmann als neuen Vermittler ins Spiel brachte.

«Grundsätzlich stehe ich bereit, zwischen beiden Parteien zu vermitteln», sagte der 48-Jährige. Bislang habe es allerdings noch keine Gespräche mit dem DFB oder Amerell gegeben. Auch eine Zusammenarbeit mit dem ursprünglich vom Verband vorgeschlagenen evangelischen Bischof Wolfgang Huber könne er sich «selbstverständlich gut vorstellen», sagte Plassmann.

«Wir müssen überlegen, ob wir Richtung Amerell überhaupt einen Gesprächsbedarf haben», sagte DFB-Vizepräsident Rolf Hocke der Nachrichtenagentur dpa. Für Donnerstag sei ein Treffen mit ihm, DFB-Direktor Stefan Hans und dem Rechtsabteilungsleiter Jörg Englisch geplant. Möglicherweise stoße auch Zwanziger hinzu.