Neapel (dpa) - «Big Luciano» will nicht ins Gefängnis. Der wegen seiner Verstrickung in den italienischen Wett- und Manipulations-Skandal im Fußball 2005/2006 zu fünf Jahren und vier Monaten Gefängnisstrafe verurteilte Luciano Moggi geht lautstark in Berufung.

Der von italienischen Medien als «Fußball-Pate» mit dem Spitznamen «Big Luciano» bezeichnete ehemalige Sportdirektor des Rekordmeisters Juventus Turin, ging nach dem Urteilsspruch in die verbale Offensive.

«Das war nur die erste Runde. Ich kämpfe weiter und hoffe jetzt auf eine wahrhaftige Justiz», sagte der 74-jährige Moggi dem italienischen TV-Sender «Sky Sport 24». Die Sportzeitung «Gazzetta dello Sport» verglich die Affäre um Moggi und weitere verurteilte Fußball-Funktionäre sogar mit der aktuellen Staatskrise um Silvio Berlusconi.

Die Richter waren im Fall Moggi der Auffassung, dass der 2006 bereits auf Lebenszeit gesperrte Ex-Manager als Drahtzieher einer kriminellen Vereinigung das italienische Fußballsystem manipuliert hat. Er habe sich der systematischen Hilfe korrupter Schiedsrichter bedient, urteilten die Richter. Tausende Telefonate waren abgehört worden.

«Juve gewann damals, weil sie eben die Stärksten waren», sagte Moggi im Fernsehen, wies die massiven Manipulationsvorwürfe weit von sich und kündigte den Gang in die Berufung an. Die Staatsanwaltschaft in Neapel hatte eine Strafe von fünf Jahren und acht Monaten gegen den umtriebigen Funktionär gefordert.

Wegen illegaler Beeinflussung der Spiele waren Juventus Turin die Meistertitel 2005 und 2006 aberkannt worden. Vor fünf Jahren war Inter Mailand danach zum Titelträger erklärt worden, Juventus musste den Zwangsabstieg in die Liga B antreten.

Wegen der nachgewiesenen Manipulationen im größten Skandal der italienischen Fußball-Geschichte («Calciopoli») fällte die italienische Justiz weitere Urteile: Der ehemalige Schiedsrichter-Koordinator Paolo Bergamo wurde zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt, sein Kollege Pierluigi Pairetto zu 16 Monaten.