Hamburg (dpa) - Die Nationalmannschaft darf schon einmal die Bedingungen im EM-Land Ukraine testen. Und auch das neue EM-Shirt löst Vorfreude aus. Beim Test in Kiew zaubert Chef Özil erstmals mit Götze als Assistent.

Das zartgestreifte EM-Trikot stufen die deutschen Fußball-Nationalspieler schon mal als titelwürdig ein, im Endspielort Kiew dürfen sie es erstmals im Wettkampf überstreifen. Mit dem Freundschaftsspiel bei Mitgastgeber Ukraine rückt für Lukas Podolski und Co. die Europameisterschaft 2012 schon ganz nah. Bundestrainer Joachim Löw impft seinem Personal vor der Testpartie am Freitag Vorfreude und zugleich Ehrgeiz ein: «Wir spielen dort, wo im nächsten Jahr das Finale stattfindet.» Natürlich sei es ein großes Ziel, dort am 1. Juli 2012 wieder anzutreten.

Um diesem Ziel näher zu rücken, wird der DFB-Chefcoach seine «Linie fortsetzen» und trotz neuer Überlegungen nach den Ausfällen der Offensivkräfte Miroslav Klose (Knieverletzung) und Marco Reus (Magen-Darm-Infekt) im renovierten Kiewer Stadion kräftig experimentieren. So will Löw erstmals das Zauber-Duo Mesut Özil und Mario Götze in die Startelf stellen. «Die Tendenz geht dahin, dass man mit Götze und Özil beginnt», sagte der 51-Jährige am Mittwoch in Hamburg. Die Arbeitsteilung lieferte Löw gleich mit: «Özil soll in der Regel vor Götze spielen und weiter vorn die Fäden ziehen.»

Die Kollegen sehen dem gemeinsamen Auftritt von Özil/Götze ohne Sorgen um eine geringere defensive Stabilität entgegen. Im Gegenteil: «Je mehr gute Fußballer man auf dem Platz hat, desto positiver wirkt sich das auf unser Spiel aus», erklärte Mats Hummels, der Götzes Künste aus Dortmund bestens kennt. Der 19 Jahre junge Götze hat auch beim BVB schon im defensiveren Mittelfeld agiert, kann deshalb die Position als «Zwischenspieler» ausfüllen, wie Löw glaubt: «Götze ist ein Spieler, der relativ schnell Dinge lernt und umsetzt. Das sind die Klassespieler, die so etwas beherrschen», schwärmte Löw.

Während es bei den letzten beiden Aufeinandertreffen im November 2001 gegen die Ukraine im Kampf um das WM-Ticket für 2002 noch um das Wohl und Wehe des deutschen Fußballs gegangen war, fliegt das deutsche Team an diesem Donnerstag zu einem relativ entspannten Testlauf nach Kiew. 2001 hatte in zwei Relegationsspielen noch der erste WM-Qualifikations-K.o. einer deutschen Mannschaft überhaupt gedroht; beim 1:1 in Kiew und dem 4:1-Sieg im Rückspiel verhinderte allen voran Michael Ballack mit drei Toren die WM-Quali-Blamage.

Diesmal geht es um Experimente und einen ersten Kennenlernkurs, was die Nationalspieler auch im Umfeld der EM-Stadien im kommenden Sommer erwartet. «Wir fahren zum Gastgeber Ukraine, wo schon eine gewisse Euphorie herrscht und eine große Vorfreude», bemerkte Löw und sagte für die Partie eine «unglaublich hitzige und heiße» Atmosphäre voraus. Dennoch müsse und könne er es sich leisten, einige hoch belastete Spieler zu schonen oder nur dosiert einzusetzen.

«Spieler, die weiterhin in der Champions League unter Belastung stehen, werden nicht zweimal 90 Minuten auf dem Platz stehen», kündigte Löw auch mit Hinblick auf das nächste Länderspiel am Dienstag in Hamburg gegen die Niederlande an: «Ich will beide Spiele im Paket sehen.» Darum wird ein Per Mertesacker wohl nur gegen Holland als Abwehrchef auflaufen. Mario Gomez wurde geschont - der Bayern-Torjäger absolvierte im Teamhotel ein Regenerationstraining. Die übrigen 20 Akteure ließ Löw auf dem Trainingsplatz intensiv Offensivaktionen üben - in Kiew will man wohl auf Angriff spielen.

In Kiew wird es für die deutschen Spieler nicht nur darum gehen, schon ein wenig EM-Luft zu schnuppern. Der interne Kampf um die 23 persönlichen EM-Fahrkarten läuft längst. Nach der Pause für Kapitän Philipp Lahm, der Schlüsselbein-Operation bei Bastian Schweinsteiger und den erneuten Kniebeschwerden von Miroslav Klose werden in Kiew andere Kandidaten eine Chance bekommen. «Bis zur EM sind es noch fünf Spiele und bis zur Nominierung des EM-Kaders nur noch drei. Natürlich will sich jeder Spieler in jedem Spiel dem Bundestrainer von seiner besten Seite zeigen», bemerkte Leverkusens André Schürrle.

Im Tor des DFB-Teams wird wie angekündigt Ron-Robert Zieler stehen. «Vielleicht sogar 90 Minuten», verriet Löw. Mindestens einen 45-Minuten-Einsatz hat der Bundestrainer für den Hannoveraner vorgesehen. Zielers jüngste Fehler beim 2:2 der 96er gegen Schalke spielen für Löw keine Rolle. «Er gehört zu der Generation neuer Torhüter: Mitspielen, weit aus dem Tor, Strafraumbeherrschung wie ein Mitspieler», kennzeichnete Löw den 22-jährigen Schlussmann.

Zieler darf gleich mit dem neuen Trikot auflaufen, das Ausrüster Adidas am Mittwoch in Hamburg vorstellte. Der junge Torwart wird dabei ein hellblaues Shirt tragen, die Feldspieler laufen in klassischer schwarz-weißer Kombination auf. «Das Trikot ist einer Mannschaft, die um Titel kämpft, würdig», fand Abwehrmann Hummels.

Die voraussichtliche Aufstellung:

Zieler - Träsch, Hummels, Badstuber, Schmelzer - Khedira - Müller, Götze, Özil, Podolski - Gomez

DFB-Kader