Frankfurt/Main (dpa) - Die Turbulenzen um deutsche Schiedsrichter bereiten auch Ligapräsident Reinhard Rauball große Sorgen.

«Die Steuer-Ermittlungssache bewegt sich nun schon in einem beachtlichen Bereich», sagte der Präsident des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung».

«Die Gesamtsituation, und ich rede jetzt bewusst von mir, hat natürlich ein ungutes Gefühl hervorgerufen. Das oberste Gut des Fußballs ist die Integrität des Wettbewerbes. Alles, was diese Integrität infrage stellt - und öffentlich wird da gerade sehr viel infrage gestellt - schadet dem Fußball.» Leider sei dies im Moment kaum zu lösen, ergänzte Rauball.

Die Ermittlungen gegen 70 Schiedsrichter - darunter Bundesliga-Unparteiische - stünden erst am Anfang. «Der Nachteil daran ist, besonders aus unserer Sicht, dass diese Verfahren zeitaufwendig sind», gab Rauball zu bedenken und sprach von einer problematischen Lage. «Erst am Ende hat man die Fakten vorliegen, die man auch aus Sicht des Verbandes bewerten kann, und dann erst können Entscheidungen gefällt werden.»

Dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keine Schutzsperren gegen betroffene Referees verhängt hat, will Rauball nicht kommentieren, da die Zuständigkeit für die Spielleiter beim DFB und nicht bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) liegt. «Erst wenn klare Sachverhalte auf dem Tisch liegen oder Strafsanktionen erfolgt sind, kann man die Schlüsse ziehen. Grundsätzlich aber ist es doch so, dass wir hier klare Aufteilungen mit dem DFB haben.»

Auch der Ligapräsident sprach von «vielen diskussionswürdigen Schiedsrichterleistungen» an den vergangenen beiden Spieltagen, will dies jedoch nicht in den Kontext mit den Ermittlungen stellen: «Aber wird gerade auch gegen diese Schiedsrichter ermittelt? Ich weiß es nicht, und ich denke, es verbietet sich, hier einen Generalverdacht zu erheben.»

Indirekt übte Rauball Kritik an DFB-Präsident Theo Zwanziger. Dieser hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Falles gesagt, er gehe davon aus, «dass bei den allermeisten Fällen eher wenig oder überhaupt nichts herauskommen wird». Rauball kann sich gut vorstellen, «dass er den Satz heute nicht mehr sagen würde».