Wien/Teheran/Jerusalem/Berlin/Moskau (dpa) - Schärfere Sanktionen ja, Militärschlag nein: Nachdem die Atomenergiebehörde (IAEA) erdrückende Belege für Arbeiten an einer iranischen Atombombe vorgelegt hat, zeichnet sich eine härtere Gangart des Westens gegen die Führung in Teheran ab.

Allerdings stemmt sich die UN-Vetomacht Moskau gegen verschärfte Sanktionen. Deutschland und Frankreich wollen mehr Druck, lehnten am Mittwoch aber militärische Maßnahmen gegen den Iran ab. Israel, das in den vergangenen Tagen hörbar mit dem Säbel gerasselt hatte, rief die internationale Gemeinschaft auf, Teherans Streben nach Atomwaffen jetzt endlich zu stoppen.

In einer am Mittwoch veröffentlichten ersten Reaktion der Regierung in Jerusalem auf den IAEA-Bericht hieß es, die Annahme Israels und der internationalen Gemeinschaft sei bestätigt, dass der Iran Atomwaffen entwickele. «Die Bedeutung des Berichts besteht darin, dass die internationale Gemeinschaft dem iranischen Streben nach Nuklearwaffen, die den Frieden in der Welt und im Nahen Osten gefährden, ein Ende setzen muss», stand in der knappen Erklärung weiter.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad reagierte unbeeindruckt auf alle Warnungen und schwor, sein Land werde nicht einen Jota vom eingeschlagenen Weg abweichen. Derweil wächst weltweit die Sorge vor einem militärischen Alleingang Israels.

Der Iran hat nach Erkenntnissen der Atomenergiebehörde zumindest bis 2010 an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet. Detailliert und ausführlicher denn je belegen die Atomwächter entsprechende Hinweise. So soll der Iran Sprengkapseln getestet haben, die für eine Atombombe geeignet wären, und ballistische Raketen für Atomsprengsätze vorbereiten. Nun wächst die Sorge, das ganze Ausmaß des Programms könnte noch immer verborgen sein.

Die Führung in Teheran wies den am Dienstag vorgelegten Bericht als «politisch motiviert» zurück. Ahmadinedschad sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars, ein zivilisiertes und kulturvolles Land wie der Iran benötige keine Atombomben und führe auch keine Terroranschläge aus. Allerdings fügte der Präsident hinzu, dass die Iraner vor niemandem Angst hätten, sollten sie einmal die Absicht haben, eine Atombombe zu bauen.

Der IAEA-Bericht löste weltweit unterschiedliche Reaktionen aus. Russland lehnt schärfere Strafmaßnahmen ab. Damit bleibt der UN-Sicherheitsrat, wo Moskau ein Vetorecht besitzt, im Atomstreit weiter gespalten.