Köln (dpa) - Paukenschlag beim 1. FC Köln: Nach sieben Jahren wirft Präsident Wolfgang Overath hin und tritt als Chef des Fußball-Bundesligisten im Frust zurück.

Mit dem 68 Jahre alten Weltmeister von 1974 vollziehen auch seine Stellvertreter Friedrich Neukirch und Jürgen Glowacz diesen völlig unerwarteten Schritt. «Ich bitte um Verständnis für unsere Entscheidung, sie ist uns nicht leicht gefallen», sagte Overath, dem die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung in Köln mit langem Applaus für seine Verdienste dankten.

«Die Entscheidung ist uns schwer gefallen, weil der FC uns immer eine Herzensangelegenheit war und bleiben wird. Die Belastung in den letzten Monaten war für uns alle, die wir beruflich noch stark engagiert sind, sehr hoch», hieß es in einer Vereinserklärung.

«Ich werde immer mit dem Herzen am FC hängen», ergänzte Overath, der zuvor in seiner Eröffnungsrede von «Verunglimpfung» durch eine «kleine Gruppe» innerhalb des Traditionsvereins gesprochen hatte. Sein Rücktritt und der seiner Präsidiumskollegen Neukirch und Glowacz war nicht erwartet worden: Noch während der vergangenen Woche hatte Overath erklärt, er wolle sich erst 2013, dem Jahr der turnusgemäßen Neuwahlen des FC-Vorstands, zurückziehen und einem Jüngeren Platz machen.

«Der FC ist gut aufgestellt für die Zukunft» - so lautete Overaths Botschaft an die Mitglieder, die ungläubig und verwirrt auf die Rücktrittsankündigung reagierten. Das Trio Overath, Neukirch und Glowacz gehe «mit einem guten Gefühl», ergänzte Overath. Der 68-Jährige kündigte gleichzeitig an, «ganz bewusst» keinen Einfluss auf die Wahl der Nachfolger nehmen zu wollen.

Overath, der seit 2004 im Amt war, sprach vor seiner Rücktrittserklärung die Mitgliederversammlung von 2010 an, als der Vorstand nicht entlastet worden war. Damals sei man «beleidigt und verunglimpft» worden. Unmut machte sich breit - mit der Schärfe dieser Worte hatte keiner gerechnet. Nie habe es konstruktive Kritik gegeben, führte Overath weiter aus und bat darum, mit Kritik bis zum Ende seiner Ausführungen zu warten. «Danach können Sie pfeifen, so lange sie wollen», sagte er.

Noch zu Beginn von Overaths Rede deutete nichts auf den Rücktritt hin. «Mein Verein ist der 1. FC Köln» - da gab es erstmals viel Applaus. Und als Overath ergänzte, dass der Verein mit Trainer Stale Solbakken und Sportdirektor Volker Finke «zwei gute Leute, die einen tollen Job machen» verpflichtet habe, wurde der Beifall noch lauter. Overath räumte aber auch ein, Fehler gemacht zu haben: «Wir sind alle nur Menschen.» Zu diesem Zeitpunkt ließ er noch Kampfeswillen erkennen, als er meinte: «Vier Jahre hintereinander erstklassig zu sein, das reicht uns nicht.» Wenig später folgte die Rücktrittserklärung.