Berlin (dpa) - Die Fußball-Welt am Bosporus ist aus den Fugen geraten. Während sich die Fans in Kroatien und Irland am Wochenende schon freudetrunken auf die EURO 2012 einstimmten, verschärfte sich in der Türkei nach dem Playoff-Debakel die Kritik an Guus Hiddink.

«Auf Wiedersehen, Europa. Nur noch ein Wunder kann uns die EM-Teilnahme bringen», schrieb die Zeitung «Sabah» nach dem 0:3 gegen Kroatien. Einig waren sich die Medien darin, dass die Amtszeit des niederländischen Trainers beim EM-Halbfinalisten von 2008 unmittelbar vor dem Ende steht.

«Hiddink, das Ende», verkündete das Blatt «Star». «Bis zum Rückspiel am Dienstag belässt der Verband den erfahrenen Trainer im Amt, dann wird die Zusammenarbeit beendet.» Der seit August 2010 amtierende Coach nahm die Verantwortung für die bittere Schlappe auf sich und appellierte vor der zweiten Partie am Dienstag in Zagreb an die Ehre seiner Spieler, Hoffnung machte er den türkischen Fans nicht mehr: «Es wird sehr schwierig. Es wird fast unmöglich.»

Der Fernsehsender CNN-Türk griff Hiddink scharf an: «Vor jedem Spiel hat er seine eigene Mannschaft kleingeredet und Deckung gesucht, indem er den Erfolg der Konkurrenten gelobt hat.» Hiddink, der bereits nach der 0:1-Niederlage gegen Aserbaidschan im Herbst 2010 mächtig unter Beschuss geraten war, solle nun ohne Entschädigung für ein vorzeitiges Vertragsende gehen.

Die Gesänge von 50 000 Zuschauern in Istanbul waren bereits nach zwei Minuten verstummt, als Bayern-Angreifer Ivica Olic die Gäste in Führung brachte. Auch danach konnten sich die Kroaten in der Neuauflage des EM-Viertelfinals von 2008, das die Türkei nach einer dramatischen Verlängerung erst im Elfmeterschießen gewonnen hatte, auf einen Stürmer aus der Bundesliga verlassen: Der Wolfsburger Mario Mandzukic (32.) baute den Vorsprung aus. Nach dem dritten Tor durch Vedran Corluka (51.) war Kroatiens Trainer Slaven Bilic endgültig happy: «Wir hätten einen noch höheren Sieg verdient gehabt. Es war einfach fantastisch.»

Von einem «emotionalen Moment» sprach Trainer-Oldie Giovanni Trapattoni nach dem unerwartet klaren 4:0 seiner Iren in Estland. Dennoch warnte der 72-jährige Italiener vor dem Rückspiel in Dublin: «Die Katze ist im Sack, aber der Sack ist noch nicht zu.» Keith Andrews, Jonathan Walters und Doppeltorschütze Robbie Keane schossen das klare Resultat heraus. Die Esten beraubten sich mit Gelb-Roten Karten für Andrei Stepanov und Raio Piiroja selbst aller Chancen. «Wir haben es nicht verdient mit vier Toren zu verlieren. Das Ergebnis ist sehr enttäuschend», sagte Torjäger Konstantin Vassiljev. «Manche Märchen haben einfach ein trauriges Ende», meinte Piiroja.

Portugal kam mit Superstar Cristiano Ronaldo in Zenica gegen Bosnien nicht über ein torloses Remis hinaus. Dabei war sogar Glück im Spiel, weil Hoffenheims Vedad Ibisevic und der frühere Wolfsburger Edin Dzeko kurz vor Schluss Großchancen ausließen. Wie die Türken müsste auch Außenseiter Montenegro am Dienstag über sich hinauswachsen, um nach dem 0:2 in Prag noch den Sprung zur EM zu schaffen. «Ein ideales Ergebnis», frohlockte Torhüter Petr Cech nach den Toren von Václav Pilar und Tomáš Sivok.