Düsseldorf (dpa) - Kaufhof ist begehrt: Für die Warenhauskette des Handelskonzerns Metro gibt es inzwischen mindestens drei potenzielle Käufer. Doch vor Weihnachten wird Kaufhof wird nach Einschätzung des scheidenden Metro-Chefs Eckhard Cordes voraussichtlich nicht mehr den Besitzer wechseln.

«Wir sind dabei, die Angebote zu prüfen. Wir sitzen aber noch nicht am Verhandlungstisch», sagte Cordes in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Neben dem Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen und der österreichischen Immobilienholding Signa zählt nun auch ein Konsortium um Ex-KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban zu den Interessenten.

Mit ihnen gebe es viele Detailfragen zu klären, beispielsweise die Eigentumsverhältnisse bei den einzelnen Häusern. «Das müssen sie alles wissen, bevor sie überhaupt zum Geld kommen», verdeutlichte Cordes die Sicht der Bieter. Die Metro AG ihrerseits müsse als Verkäuferin sicher sein, dass Erwerber den Kaufpreis in Milliardenhöhe stemmen werden, und dies auch schriftlich bestätigt erhalten. «Wir müssen uns überzeugen können, dass die Partner wirklich finanzieren können.»

Als dritter Bieter neben Berggruen und Signa wurde am Wochenende die Investorengruppe um Urban bekannt. Der Manager habe in der vergangenen Woche ein Angebot eingereicht, berichtete die «Bild am Sonntag», ein Metro-Sprecher bestätigte der Zeitung dies. An dem Konsortium seien große deutsche Unternehmerfamilien beteiligt, sagte Urban. «Wir wollen 51 Prozent von Kaufhof übernehmen, bei Bedarf auch 100 Prozent.» Metro könne mit 49 Prozent Minderheitsgesellschafter bleiben, sagte der 66-Jährige der Zeitung.

Urban ist ein alter Bekannter: Er hatte seine Karriere beim Kaufhof begonnen, 1995 stieg er zum Vorstandssprecher auf. Der Manager wechselte 1998 dann zur Holding des Versandhauses Quelle, die ein Jahr später mit Karstadt verschmolz.

Der Kaufhof-Verkauf sei auch deshalb nicht einfach, weil mit dem Karstadt-Besitzer Berggruen ein direkter Konkurrent auf den Plan getreten sei, betonte Cordes. In dem Verkaufsverfahren gehe es immerhin um sehr intime Unternehmensdaten bis hin zu Zahlen einzelner Standorte. «Ich sage nicht, dass wir mit Berggruen keinen Deal machen können, aber wir sollten erst dann volle Transparenz und Einsicht in unsere Bücher geben, wenn wir sicher sind, dass wir mit ihm auch einen Deal machen können», meinte der Metro-Chef.

Mit Signa sei man ebenfalls im Gespräch und habe der Gruppe um Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär René Benko eine «gewisse Transparenz» in Bezug auf den Kaufhof gewährt. Es habe nicht nur zu Benko, sondern auch zu Wendelin Wiedeking Kontakte gegeben. Der langjährige Porsche-Chef sagte dem «Focus», er wolle im Fall der Kaufhof-Übernahme durch Signa in den Aufsichtsrat der Warenhauskette einziehen. Eine Verantwortung fürs operative Geschäft strebe er nicht an.

Beim Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof seien auch Einschnitte in die Filialnetze zu erwarten, deutete Cordes an. Die Metro habe 2010 beim Interesse an einem Teil der Karstadt-Filialen geprüft, ob in der Folge auch einige Kaufhof-Filialen zu schließen gewesen wären, sagte er im Rückblick. Eine Kombination habe damals Sinn ergeben. Metro gehe es aber heute nur noch um einen Verkauf, nicht mehr um weitergehende Überlegungen.

Im Kaufvertrag würde er zwar einem Erwerber keine Auflagen im Zusammenhang mit späteren Überlegungen machen, erläuterte Cordes. Aber es sei eine wichtige Bedingung, dass «wir den Eindruck haben, dass ein Käufer den Kaufhof verantwortlich führen und weiterentwickeln wird». Es gehe schließlich auch um eine «sichere Zukunft für unsere Mitarbeiter, für die wir eine hohe Verantwortung haben».

Dass erst jetzt Bewegung in den Kaufhof-Verkauf kommt, sei früheren makroökonomischen Umständen und einigen Sonderfaktoren rund um die Karstadt-Krise geschuldet gewesen. Die Pleite der US-Bank Lehman habe 2008 große Finanzierungen unmöglich gemacht. Die Wirtschaftskrise habe 2009 überschattet. Die Karstadt-Pleite habe 2010 dazu geführt, dass Interessenten die Entwicklung beim Kaufhof-Konkurrenten abwarten wollten. «Rein in die Krise, Krisenjahr, Karstadt-Jahr», fasste Cordes zusammen. 2011 habe Metro dann einen neuen Anlauf genommen.