Kairo (dpa) - Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt gegen die Opposition in Syrien hat die Arabische Liga erstmals Konsequenzen gezogen. Die Organisation schloss bei einer Krisensitzung am Wochenende in Kairo die Vertreter des Regimes von Baschar al-Assad von ihren künftigen Treffen aus.

Die Entscheidung tritt am Mittwoch in Kraft und gilt solange, bis die Führung in Damaskus das Blutvergießen beendet.

Die Arabische Liga rief die Mitgliedstaaten auf, auch ihre Botschafter aus Syrien zurückzurufen. Die Organisation sprach sich ferner für politische und wirtschaftliche Sanktionen aus, ohne dabei jedoch konkret zu werden. Dem Beschluss stimmten 18 Mitgliedstaaten zu. Der Libanon und der Jemen votierten dagegen, der Irak enthielt sich.

Auch die Europäische Union will den Druck auf Syrien erhöhen. Nach Angaben von Bundesaußenminister Guido Westerwelle werden die EU-Außenminister an diesem Montag in Brüssel weitere Sanktionen beschließen. Dabei gehe es neben Reise-Einschränkungen für einzelne Personen auch um Sanktionen im Finanzbereich, kündigte er in Frankfurt am Rande des FDP-Parteitags an. Bisher gibt es bereits Einreisverbote gegen 56 Mitglieder und Unterstützer des Assad-Regimes. Zudem stehen 19 Unternehmen und Organisationen auf einer schwarzen Liste der EU.

Die Arabische Liga hatte am 2. November einen Friedensplan mit Syrien ausgehandelt, der den Rückzug des Militärs aus den Städten vorsieht sowie die Freilassung aller politischen Gefangenen. Außerdem sollten internationale Beobachter und Journalisten nicht mehr an der Einreise in das Land gehindert werden.

Doch das Assad-Regime hat sein Vorgehen gegen die Demokratiebewegung seither noch weiter verschärft. Allein in der Oppositionshochburg Homs wurden nach Angaben von Menschenrechtlern seit Annahme des Friedensplans deutlich mehr als 100 Menschen getötet. Der November könnte damit der blutigste Monat seit Beginn der Proteste im März werden.

Auf diese Entwicklung verwies auch der Ministerpräsident und Außenminister Katars, Scheich Hamad bin Dschasim al-Thani, der die Entscheidung der Arabischen Liga nach dem Krisentreffen vorstellte. «Wir sahen uns gezwungen, diese Entscheidung zu treffen», betonte er. Zugleich lud er die syrische Opposition zu Gesprächen mit der Organisation ein. Angesichts einiger Forderungen, den Weltsicherheitsrat einzuschalten, sprach sich Scheich Hamad bin Dschasim gegen eine Internationalisierung der Krise aus. Die Araber sollten sie selbst lösen.

Syriens Regime reagierte auf den Ausschluss mit großer Empörung. Der Repräsentant des Landes bei der Arabischen Liga verurteilte die Entscheidung als «illegal». Sie verstoße gegen Grundsätze der Liga. Assad-Anhänger griffen mehrere arabische Botschaften an. In Damaskus bewarfen wütende Demonstranten am späten Samstagabend die Vertretung Saudi-Arabiens mit Steinen. In Libanons Hauptstadt Beirut sammelten sich Unterstützer des Regimes vor der Botschaft Katars. Einige kletterten nach Angaben von Augenzeugen auf das Gebäude, entfernten die Flagge des Golf-Emirats und ersetzten sie durch eine syrische.

Bei einer Konferenz in Wien sagten sich Vertreter syrischer Gemeinden aus 31 Ländern offiziell von Präsident Baschar al-Assad los. Wie die Nachrichtenagentur APA am Sonntag berichtete, verlangten die Exil-Syrer in einem Abschlusspapier «den Sturz des syrischen Regimes und die Errichtung eines demokratischen Mehrparteienstaates».

In Syrien ging das Blutvergießen derweil weiter. Mindestens 17 Menschen kamen bei Auseinandersetzungen ums Leben, die meisten von ihnen in Homs und in Idlib. Unter den Toten waren neun Sicherheitskräfte, sagten Aktivisten der Opposition. Seit Beginn der Proteste wurden laut Schätzungen mehr als 3500 Menschen getötet.