Rom (dpa) - Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano in Rom Gespräche über die Bildung einer Übergangsregierung begonnen.

Nach dem vorläufigen Zeitplan des Präsidentenamtes will Napolitano bis zum frühen Sonntagabend die Vertreter der Parteien im Parlament gesprochen haben. Es gilt, so schnell wie möglich eine Notregierung vor allem aus Fachleuten zu bilden, um die Phase der politischen Unsicherheit in Italien zu beenden. Verzögerungen kann sich das hoch verschuldete Euro-Krisenland nicht leisten. Berlusconi war am Samstagabend zurückgetreten.

Als Favorit für die Nachfolge Berlusconis in einer solchen «Technokraten-Regierung» gilt der ehemalige EU-Kommissar Mario Monti. Ihm werden beste Chancen eingeräumt, vor allem weil trotz einer Zerreißprobe inzwischen auch Berlusconis Partei ihre prinzipielle Zustimmung dazu gibt. Es wir erwartet, dass Napolitano noch am Sonntagabend Monti mit der Regierungsbildung betraut.

Vor Berlusconis Rücktritt hatte das Parlament noch ein von Brüssel gefordertes Reform- und Sparpaket verabschiedet. Der 75-jährige Medienzar hatte dies zur Bedingung für seinen Abtritt gemacht. Er hatte zuletzt im Parlament keine Mehrheit mehr.

Eine Alternative zu einer Notregierung wären Neuwahlen, wie sie Berlusconis bisheriger Koalitionspartner Lega Nord fordert. Napolitano muss prüfen, welche Lösung sich anbietet. Berlusconi soll noch kurz vor seinem Rücktritt gedroht haben, dass «wir auch wieder abschalten können, wann wir wollen.» Außerdem würde er gern seinen Vertrauten Gianni Letta in der neuen Regierung sehen, hieß es. Der Staatspräsident selbst favorisiere eine Regierung unter Monti, berichteten italienische Medien.