Berlin (dpa) - Mit der Machtübernahme des neuen Präsidenten Karl-Georg Altenburg ist im Deutschen Tennis Bund die zwölfjährige Ära von Georg von Waldenfels zu Ende gegangen. Die erwartete Kampfabstimmung blieb nach einem erbittert geführten Wahlkampf aber aus.

Von Waldenfels kam seiner absehbaren Abstimmungsniederlage zuvor und verzichtete kurzfristig auf eine Kandidatur. «Ich werde nicht als beleidigte Leberwurst den Saal verlassen», sagte von Waldenfels in seiner letzten Rede als DTB-Chef. Der 67-Jährige betonte trotz der jüngsten Grabenkämpfe: «Ich scheide ohne Groll.»

Sein Nachfolger Altenburg wurde auf der 63. Mitgliederversammlung im Berliner Maritim-Hotel als einziger Bewerber mit 77 von 111 abgegebenen Stimmen gewählt. 32 Mitglieder votierten gegen den Vater von fünf Kindern. Seine Wahl sei für ihn «ein sehr emotionaler Moment», sagte Altenburg in seiner Antrittsrede.

Der Deutschland-Chef der amerikanischen Investment-Bank JP Morgan will den drittgrößten Sportverband Deutschlands mit rund 1,6 Millionen Mitgliedern modernisieren und einen hauptamtlichen Geschäftsführer installieren. «Wir wollen versuchen, die Marke DTB weiter aufzubauen», erklärte Altenburg, der in der «Gewinnung von Nachwuchs» eine der zentralen Aufgaben sieht. Zudem möchte er die Wirtschaft stärker für den Tennissport begeistern.

Als einer von fünf Vizepräsidenten steht dem 48-Jährigen künftig der frühere Davis-Cup-Teamchef Carl-Uwe Steeb zur Seite. «Ich denke, dass wir einiges bewegen können», sagte Steeb. Der DTB stehe auf einem «guten Fundament», mit Altenburg wolle er den Verband aber «in eine neue Richtung führen». Steeb ist im neuen Präsidium für den Bereich Leistungssport zuständig.

Altenburgs Vorgänger von Waldenfels schlug in seiner 20-minütigen Rede, die von den Vertretern der 18 Landesverbände teils mit Beifall honoriert wurde, versöhnliche und selbstkritische Töne an. Vielleicht sei es manchmal ein Fehler, zu lange ein Amt auszuüben, sagte von Waldenfels, der Altenburg «für seine Präsidentschaft eine glückliche Hand» wünschte. Eine kleine Spitze in Richtung des Top-Bankers konnte sich der frühere bayerische Finanzminister aber nicht verkneifen. «Ein Sportverband ist kein Unternehmen», stichelte von Waldenfels.

Wie groß die Gräben im DTB nach der Ära des Juristen aus Hof sind, zeigte sich bei der Entlastung des Präsidiums. Zehn Mitglieder stimmten gegen von Waldenfels' Entlastung, 24 enthielten sich - es reichte aber dennoch für den Bayern. Seine Kritiker wie der hessische Verbandschef Dirk Hordorff werfen von Waldenfels vor, den Leistungssport im finanziell klammen Verband vernachlässigt zu haben.

Von Waldenfels hatte im Dezember 1999 nach den goldenen Jahren um Steffi Graf und Boris Becker den DTB-Chefposten übernommen. In seiner Amtszeit konnte er den Bedeutungsverlust des Tennis-Standortes Deutschland nicht verhindern. Vier von fünf Damen-Turnieren verschwanden von der Bildfläche, die wichtigsten Herren-Veranstaltungen wie der Rothenbaum-Klassiker büßten an Bedeutung ein oder wurden ganz aus dem Turnier-Kalender gestrichen.

«Es waren schwierige Entscheidungen», kommentierte von Waldenfels die schmerzhaften Einschnitte. Zum Abschied betonte er, dass der Verband positiv in die Zukunft blicken könne: «Ich glaube, dass der Deutsche Tennis Bund in sehr guter Verfassung ist.» Zum Ende des Geschäftsjahres 2010 verfügte der DTB nach einem Jahresüberschuss von knapp 350 000 Euro über ein Eigenkapital von 5,316 Millionen Euro. Michael Stich, den von Waldenfels gerne als Nachfolger gesehen hätte, blieb der Veranstaltung im Saal Berlin fern.