Rom/Brüssel (dpa) - Der frühere EU-Kommissar Mario Monti hat am Montag in Rom mit Gesprächen zur Bildung einer neuen italienischen Regierung begonnen.

Der Wirtschaftsexperte hat den Auftrag, als Nachfolger des am Samstag zurückgetretenen Silvio Berlusconi möglichst bald eine Übergangsregierung zu führen. Nach einem vorläufigen Zeitplan könnten die zweitägigen Konsultationen am Dienstagnachmittag mit einem Treffen Montis mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern enden.

Monti plane «ein bedeutendes Programm mit vielen Opfern», begleitet von Wachstumsmaßnahmen, berichtete Francesco Nucara von der kleinen republikanischen Partei Pri aus den Gesprächen. Gianfranco Fini, Präsident des Abgeordnetenhauses, zeigte sich davon überzeugt, dass Monti bis zum Freitag das Vertrauen im Parlament erhalten werde.

Derweil überprüfen Experten der EU-Kommission nach den Worten des Sprechers von Währungskommissar Olli Rehn die Finanzen Italiens. Der Finanzminister der Berlusconi-Regierung, Giulio Tremonti, habe am vergangenen Samstag ausführlich auf einen Fragebogen Brüssels geantwortet. Das Schreiben werde nun analysiert. Rehn will den Euro-Finanzministern Ende des Monats über Italien berichten.

Monti strebt nach Darstellung des Abgeordneten Francesco Pionati von der kleinen Partei «Bündnis Zentrum» (Adc) eine Regierung bis zum Ende der Legislaturperiode im Frühjahr 2013 an. Monti habe erklärt, «dass sein zeitlicher Horizont 2013 ist», berichtete Piotani aus den Regierungs-Konsultationen. Dies sei ohnehin «eine relativ kurze Zeit, um die strukturellen Probleme des Landes zu lösen». Dieser zeitliche Rahmen könnte Monti Schwierigkeiten mit Parteien eintragen, die ihm bisher ihre Unterstützung zugesagt hatten, darunter etwa die linken Parteien Idv (Italien der Werte) und Sel (Linke Ökologie Freiheit).

Bisher berichteten Medien nur über Widerstände innerhalb der Pdl-Partei Berlusconis. Monti war am Sonntag von Staatspräsident Giorgio Napolitano offiziell mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt worden. Napolitano rief dabei in einem eindringlichen Appell alle politischen Kräfte zu einer gemeinsamen Kraftanstrengungen auf, um dem Druck der Finanz- und Wirtschaftskrise zu begegnen. Erst danach könne es Wahlen geben.

Man müsse mit Verantwortung an die Arbeit gehen, damit Italien wieder ein Element der Stärke und nicht der Schwäche in Europa werde, hatte Monti am Sonntagabend erklärt. Zu seinen ersten Maßnahmen könnten eine Vermögenssteuer, die Wiedereinführung einer Immobiliensteuer sowie ein weiteres zeitliches Vorziehen des gegenwärtig bis 2026 auf 67 Jahre erhöhten Pensionsalters gehören, heißt es in Rom.

Wie italienische Medien berichteten, geht es bei den Konsultationen um Montis Programm und die Zusammensetzung des Kabinetts. So hieß es etwa, der 68-Jährige wolle zwölf Fachleute und keine Politiker zu Ministern machen. Monti hatte seinen Auftrag am Vorabend «mit Vorbehalt» angenommen, da die Konsultationen noch ausstünden, welche er jedoch schnell, aber sorgfältig ausführen wollte.

Berlusconis Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Paolo Romani, sagte am Montag, eine neue Regierung solle das mit Brüssel vereinbarte Reformprogramm abwickeln, «ohne andere Dinge zu tun.» Danach wären Neuwahlen im März oder April ideal, meinte der Minister.

Berlusconis Pdl (Volk der Freiheit) sei das «größte Hindernis», schrieb am Montag die liberale Zeitung «La Stampa». Die Ex-Regierungspartei habe die nächtlichen Freudenfeiern der Berlusconi-Gegner nach dem Rücktritt des Regierungschefs nur schlecht verdaut. Sie hatte am Samstag kurz vor dem Abtritt Berlusconis nach langem Widerstand ihre Zustimmung zu einer Regierung Monti gegeben. Einen Tag später (nach den Anti-Berlusconi-Feiern) wäre das nicht mehr der Fall gewesen, zitierte das Blatt am Montag Berlusconis Parteichef Angelino Alfano.

Sollte Monti Chef einer Notregierung werden, erwartet ihn eine schwierige Aufgabe: Italien weist - gemessen an der Wirtschaftsleistung - nach Griechenland den höchsten Schuldenstand innerhalb der Eurozone auf. Die Börsen reagierten am Montag bei Eröffnung zunächst positiv auf den Wechsel in Italien. Die Rendite für fünfjährige Staatsanleihen stieg später jedoch erneut auf über 6 Prozent.