Berlin (dpa) - Drohen ausufernde Kosten für die Bürger durch die Energiewende? Das Bundesumweltministerium hält neue Berechnungen der Netzbetreiber für übertrieben. Ein weiteres Problem auf dem Weg zum grünen Strom: Es hapert massiv bei der Anbindung von Windparks in der Nordsee.

Die Warnungen vor einer Kostenexplosion bei der geplanten Energiewende werden lauter. «Gerade die Solargeschichte kann so nicht mehr weitergehen, da muss ganz schnell eine Bremse rein», sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) der dpa. Fuchs plädierte dafür, nur noch 500, allerhöchstens 1000 Megawatt pro Jahr an neu installierten Solaranlagen zu fördern. Für das laufende Jahr werden hier 6500 Megawatt an neuer Solarleistung erwartet, auch dadurch steigen die Kosten für die Förderung stark an.

Bis 2013 könnte wegen eines raschen Solar- und Windenergieausbaus die von allen Verbrauchern über den Strompreis zu zahlende Öko-Umlage von derzeit 3,5 auf bis zu 4,7 Cent je Kilowattstunde (kWh) steigen. Dies würde für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 kWh Mehrausgaben von 40 Euro bedeuten. Dessen Kosten für die Ökoförderung würden auf bis zu knapp 190 Euro jährlich steigen. Die Zahlen zur Prognose der Umlage bis 2013 hatten die für die Berechnung zuständigen Betreiber der deutschen Stromautobahnen bekanntgegeben.

Das Bundesumweltministerium wies am Mittwoch Sorgen vor ausufernden Kosten zurück. Die Umlage werde in den nächsten beiden Jahren «relativ stabil bleiben und höchstens geringfügig ansteigen». Die von den Übertragungsnetzbetreibern vorgelegte Prognose liege an der obersten Grenze der zugrunde gelegten Berechnungen und kalkuliere bestimmte unklare Sonderfaktoren ein. «Selbstverständlich wird die Bundesregierung die Entwicklung der erneuerbaren Energien weiter sorgfältig beobachten und gegebenenfalls nachsteuern», hieß es.

Ein weiteres Problem bei der Energiewende ist die komplizierte Anbindung von Windparks auf See an das Stromnetz. Der Netzbetreiber Tennet warnte in einem Brief an Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), dass der Anschluss für Windparks in der Nordsee unter den jetzigen Bedingungen kaum machbar sei. Die Aufgabe scheitere aufgrund der wachsenden Zahl an Anschlussaufträgen «an fehlenden finanziellen, personellen und materiellen Ressourcen aller Beteiligten».

Bis 2030 sollen Windparks in Nord- und Ostsee mit einer Leistung von 25 000 Megawatt entstehen und so 15 Prozent des Strombedarfs in Deutschland decken. Tennet betont, es gebe massive Probleme bei der Beschaffung des nötigen Kapitals. Gefordert wird ein Krisengipfel. Die Bundesnetzagentur soll nun laut Wirtschaftsministerium eine Lösung für die Verzögerungen bei den Offshore-Anbindungen suchen.

Auch die Zahlungen für mehr Windkraft auf See könnten die Kosten der Verbraucher steigen lassen. Union-Fraktionsvize Fuchs sagte, die Offshore-Förderung sei womöglich etwas zu hoch. Vor allem aber forderte er drastische Einschnitte bei der Solarförderung, obwohl die Vergütung für Sonnenstrom 2012 um weitere 15 Prozent sinken wird. «Die Preise für Solarpanels sinken schneller, als wir die Förderung absenken können. Das heißt: Die Rendite bleibt gleich oder steigt.» Zudem profitiere vor allem Chinas Solarindustrie von den Zahlungen, weil sie den Großteil der Panels liefere.

Die Solarwirtschaft wies die Forderung nach einer Deckelung der Förderung zurück. Seit 2007 seien Kosten und Fördersätze halbiert worden und würden Stück für Stück weiter sinken. Aber: Solaranlagen erzeugen bei gleicher installierter Leistung pro Jahr nur etwa halb so viel Strom wie Windräder an Land. Die Grünen und der Bundesverband erneuerbare Energien betonen, dass die Kosten für die Verbraucher deswegen stark steigen könnten, weil viele Unternehmen von den Kosten zur Förderung erneuerbarer Energien befreit würden. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sagte, es wäre besser, auf die weniger als halb so teure Land-Windkraft zu setzen, statt auf mehr Windenergie vom Meer.

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Kostenentwicklung bei Solar