Paris/Frankfurt (dpa) - Ein kritischer Ratingagenturen-Bericht zur Schuldensituation Frankreichs hat an den europäischen Märkten für neue Turbulenzen gesorgt.

Der Risikoaufschlag für französische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg am Montag erneut deutlich an. Im Vormittagshandel lag der Zinssatz bei 3,512 Prozent und damit deutlich höher als der für vergleichbare deutsche Papiere. Gleichzeitig gab es neue Gerüchte, dass Frankreichs als zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone in Kürze die Bestnote «AAA» verlieren könnte. Der französische Leitindex Cac 40 verlor bis zum frühen Nachmittag rund zwei Prozent.

Auslöser der neuen Spekulationen war der wöchentliche Kreditbericht der Ratingagentur Moody's. In ihm wird ausgerechnet darauf hingewiesen, dass die steigenden Refinanzierungskosten des französischen Staates den dringend notwendigen Defizitabbau weiter erschweren könnten. Ein Risikoaufschlag in Höhe von einem Prozentpunkt koste einen Staat rund drei Milliarden Euro pro Jahr, scheibt Moody's-Analyst Alexander Kockerbeck. Explizit verweist er dabei auf den Unterschied zwischen den beiden «AAA»-Ländern Deutschland und Frankreich, der in der vergangenen Woche mit mehr als zwei Prozentpunkten ein Rekordniveau erreichte.

«Die Verschlechterung der Schuldensituation und mögliche neue Verpflichtungen belasten die französische Kreditwürdigkeit und den stabilen Ausblick», kommentierte Kockerbeck. Die Note «AAA» selbst sei derzeit aber nicht direkt in Gefahr.

Vor knapp zwei Wochen hatte die Ratingagentur Standard & Poor's für Turbulenzen an den Finanzmärkten gesorgt, nachdem sie nach eigenen Angaben versehentlich die Bewertung Frankreichs gesenkt hatte. Moody's hatte Mitte Oktober angekündigt, dass Rating Frankreichs drei Monate lang genau unter die Lupe zu nehmen.

Frankreich steht wegen seines hohen Staatsdefizits seit Wochen unter erheblichem Druck der Märkte. Angesichts der sich eintrübenden Wirtschaftslage musste die Regierung innerhalb von nur drei Monaten zwei Sparprogramme ankündigen, um die Ziele beim Schuldenabbau einhalten zu können. Frankreich hat zugesagt, das Defizit bis 2013 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. 2010 lag es bei 7 Prozent.