Berlin (dpa) - Die Sondersitzung des Bundestags-Innenausschusses hat nach Angaben von Teilnehmern bis zum Montagmittag keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse zur Neonazi-Mordserie gebracht.

Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm habe von einer «Niederlage der Sicherheitsbehörden» gesprochen, aus der Konsequenzen zu ziehen seien, hieß es. Weitere Festnahmen seien nicht ausgeschlossen worden. Mehrere Verdächtige würden beobachtet, hieß es von den Teilnehmern.

Der SPD-Innenexperte Michael Hartmann forderte ein entschlossenes Handeln gegen Rechtsextremisten. «Der ganze rechte Sumpf muss ausgetrocknet werden», sagte er. Zugleich warnte er davor, die Sicherheitsbehörden nun pauschal zu diffamieren oder herabzuwürdigen. Die dort arbeitenden Beamten seien «engagierte Menschen», die versuchten, «das Beste für unser Land zu tun».

Angesichts immer neuer Enthüllungen über die Neonazi-Mordserie tagt der Innenausschuss seit Montag in nicht-öffentlicher Sitzung. Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) um Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wird für die Mordserie an neun Geschäftsleuten türkischer und griechischer Abstammung zwischen 2000 und 2006 verantwortlich gemacht. Auch der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn wird dem rechtsextremen Trio angelastet. Außerdem soll die NSU für den Nagelbomben-Anschlag in der Kölner Innenstadt 2004 verantwortlich sein.

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